Was ist modulares Bauen?
Modulares Bauen bezeichnet eine Bauweise, bei welcher die einzelnen Teile, welche für den Bau eines Gebäudes benötigt werden, vorab als dreidimensionale Raummodule vorgefertigt werden. Diese Module werden anschließend zu einem Gesamtgebäude zusammengesetzt, was neben einer schnellen und effizienten Bauweise auch eine hohe Kosten- und Planungskontrolle ermöglicht. Das modulare Bauen kann zudem eine umweltfreundlichere und nachhaltigere Wohnlösung darstellen, da aufgrund des verkürzten Baus deutlich weniger Maschinen und Anlagen in Betrieb genommen werden müssen, was nicht nur Zeit, sondern auch Benzin, Strom und andere Ressourcen einspart. Unterschieden werden mehrere Arten des modularen Bauens, welche sich nach der Art der einzelnen, vorgefertigten Bestandteile, auch Raumzellen genannt, richten: Die Raummodule des modularen Bauens können einerseits aus verschiedenen Materialien wie Beton, Holz oder Stahl bestehen und andererseits aus Containern (Raumzellen aus vorgefertigten Stahlträgerkonstruktionen) oder Seefrachtcontainern hergestellt werden. Doch der Modulbau ist nicht zu verwechseln mit der Fertigteilbauweise, denn im Gegensatz zu dieser werden beim modularen Bauen nicht einzelne Elemente, wie Boden Wand oder Decke vorgefertigt, sondern ganze Raumeinheiten inklusive Verrohrungen und Elektroinstallationen.
Modulares Bauen der Firma Acondo: Von Seefrachtcontainern zur modularen Holzbauweise
Die Firma Acondo, ansässig im thüringischen Buttlar fertigt bereits seit einigen Jahren geräumigen Hallen Appartements durch modulares Bauen und ermöglicht dadurch geringere Emissionen auf der Baustelle, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Doch lösen diese Fertigmodule des modularen Bauens den klassischen Wohnungsbau ab?
Dass innovatives und nachhaltiges Bauen nicht mehr „Stein auf Stein“ bedeuten muss, hat der Geschäftsführer der Firma Acondo Heinrich Laumen lange beschäftigt. Und so kamen zunächst Container ins Spiel. Mit den Maßen von 12,29 x 2,49 Metern schienen 40-Fuß-Seefrachtcontainer ideal für das modulare Bauen und eine neue Nutzung als Wohnraum.
Doch der Plan ging nicht auf. Die Seefrachtcontainer waren wenig flexibel im räumlichen Schnitt und das Angebot an Containern zu volatil: Mit diesen Einschränkungen verabschiedete sich der ehemalige Banker von seiner Idee, aus bereits verfügbaren Werkstoffen, im Rahmen des modularen Bauens, neuen Wohnraum zu schaffen. Von seiner Überzeugung, dass Bauen kein Beton und kein frisches Holz benötigen sollte, ließ er jedoch nicht ab. Und damit entwickelte sich der Finanzexperte zum Bauunternehmer. Oder, genauer, zum Generaldienstleister für Bauprojekte des modularen Bauens.
Auf die verschiedensten erprobten Konzepte, die nicht die gewünschten umweltfreundlichen und nachhaltigen Ergebnisse erzielten, folgte im Jahr 2018 die Überlegung, Hölzer aus nachhaltiger Waldwirtschaft für das modulare Bauen zu verwenden. In einer modernen, 2019 gebauten Halle übernehmen dies in Buttlar Präzisionswerkzeuge, die Laumen für rund 4 Millionen Euro angeschafft hat. Sie sind eigens für das modulare Bauen entwickelt worden.
Neben der Verwendung spezieller Werkzeuge ist der Firma Acondo ebenfalls wichtig, dass wesentliche Produktionsprozesse innerhalb des modularen Bauens manuell ausgeführt werden. So werden zum Beispiel Arbeiten wie Elektro- oder Badinstallationen, Fenstereinbau und Fassadenarbeiten von Fachleuten durchgeführt. Der Vorfertigungsgrad der Gebäude beträgt circa 82 Prozent. An der Baustelle selber fallen daher, durch modulares Bauen kaum noch Installationsarbeiten an.
„Das ganze Produkt ist eine Innovation“, erklärt Laumen. „Und es ist prädestiniert für alle Wohnformen.“ Schließlich sei die Bauzeit beim modularen Bauen mit nur drei oder vier Monaten deutlich kürzer als für konventionell errichtete Baumaßnahmen. Hinzu käme der Nachhaltigkeitsaspekt durch die Verwendung von Althölzern, die Hölzer stammten zudem aus nachhaltiger Waldwirtschaft.
Modulares Bauen – die Zukunft im Wohnungsbau?
Doch stellt modulares Bauen nun wirklich die Zukunft im Wohnungsbau dar? Für den gebürtigen Rheinländer Laumen ist diese Aussage noch zu weit gegriffen.
„Auch wenn modulares vorgefertigtes Bauen in anderen Ländern einen deutlich größeren Marktanteil einnimmt, bleibt in Deutschland die kulturelle Verbundenheit mit dem konventionellen Wohnungsbau.“
– Heinrich Laumen, Geschäftsführer Acondo GmbH
Auf gerade einmal 4 Prozent beläuft sich der hiesige Marktanteil des modularen Bauens. Seine Ziele sehen zwar eine Verdreifachung des Umsatzes vor, jedoch bleibt sein Geschäftsmodell auf die Errichtung von möblierten Appartements ausgerichtet.
Nachhaltig & effizient: modulares Bauen mit Holz und Maisisolierung
Der Produktionsprozess des modularen Bauens bei Acondo beginnt mit einem Stapel verleimter Platten aus nachhaltiger Waldwirtschaft. „Wir erhalten diesen Werkstoff von ebenfalls nachhaltig orientierten Holzverarbeitungsunternehmen“, erklärt der 61-jährige Geschäftsführer der Firma. Ausgehend von 15 Metern Länge und einer Breite von 2,80 Meter bilden diese Platten die Grundlage für alle Maßnahmen beim modularen Bauen.
Anschließend werden weitere Verbindungen, zum Beispiel für Wasser und Strom, gefräst. „Den Sägestaub verwenden wir für unsere Heizung in Form von Pellets“, erklärt Edvin Horvat. Dieser ist aus Kroatien in das Projekt eingestiegen und leitet als Geschäftsführer das Unternehmen Concept + Modul, das 2019 eigens für die Produktion in Bad Vilbel gegründet wurde und eine Tochtergesellschaft von Acondo ist.
Horvat hat wie sein Geschäftsführer-Kollege Heinrich Laumen Freude am Tüfteln und Optimieren. Seine jüngste innovative Idee ist die äußere Isolation der Wände beim modularen Bauen.
Mit einem neuartigen Fassadendämmsystem aus Mais konnten wir die Dicke der Isolierung von üblichen 36 Zentimetern auf 16 Zentimeter senken.
– Edvin Horvat, Geschäftsführer von Concept + Modul, eine Tochtergesellschaft von Acondo
Auch der Mais, welcher für das modulare Bauen verwendet wird, hat bereits einen Lebenszyklus hinter sich: Er stammt aus einer Biogasanlage. „Eine geringere Dicke der Isolierung bedeutet auch weniger Transportumfang und somit weniger CO²“, unterstreicht Horvat die ökologischen Vorteile der Mais-Isolierung. Die Module selbst erreichen mit dem KfW-Standard Effizienzhaus 40 NH die höchstmögliche Energieeffizienz.
Am Ende des Produktionsprozesses des modularen Bauens steht ein komplett ausgestattetes Appartement mit Küchenzeile, Bett, Sitzecke, einem geräumigen Bad und einer Arbeitsfläche mit Blick nach draußen. Die vielen Fenster sind an den Kundenwunsch angepasst worden. „Zunächst war die Fensterfront kleiner“, erklärt Horvat. Immer wieder besprechen die beiden Geschäftsführer die Ausstattung ihrer Module mit ihren Kunden.
Aktuell werden 22 Appartements für eine Dresdner Wohnanlage mit einer Grundfläche von jeweils 35 Quadratmetern mithilfe des modularen Bauens gefertigt. Einziehen werden junge Fachkräfte. Gezeigt hat sich bei den bereits errichteten Appartement-Häusern in Bad Hersfeld und Berlin, dass die Wohnungen insbesondere bei Singles beliebt sind. „Die moderne Ausstattung, kurzfristige Verfügbarkeit und insbesondere das Wohnklima durch die biogesunde Holzbauweise des modularen Bauens von Acondo sind hierbei schlagkräftige Argumente“, meint Laumen.
Kontakt:
Die Anschrift der Produktionsstätte:
Concept + Modul GmbH
Am kleinen Sand 4
36419 Buttlar
Hauptsitz:
ACONDO GmbH & Co. KG
Konrad-Adenauer-Allee 1-11
61118 Bad Vilbel
Tel.: 06101 9979-700
E-Mail: info@acondo.eu
Online: www.acondo.eu
Autor: Doris Hülsbömer/ IHK Gießen-Friedberg
©IHK Gießen-Friedberg/Im steten Dialog mit ihren Kundinnen und Kunden: Heinrich Laumen und Edvin Horvat (v.l.).
©IHK Gießen-Friedberg/Produktion der Modulbauten von Acondo. Sie erreichen mit dem KfW-Standard Effizienzhaus 40 NH die höchstmögliche Energieeffizienz.
©IHK Gießen-Friedberg/Installationen für Strom und Wasser sind ein Produktionsschritt, der bereits vor dem Aufbau auf der Baustelle erfolgt.