Zwei Schwestern, ein Traum – und ganz viel Herz für Bad Salzungens Innenstadt

16102025 - Die Schwestern Ute Abel und Andrea Geigengack betreiben das Geschaeft „Wir spielen“ in Bad Salzungen. Der Spielzeugladen bietet inzwischen auch Bastelartikel und vieles mehr. Foto: Paul-Philipp Braun
Zwei Unternehmerinnen stehen lächelnd in einem liebevoll eingerichteten Spielwaren- und Geschenkgeschäft in Bad Salzungen, umgeben von Regalen mit Spielzeug, Dekoartikeln und kreativen Produkten.
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Sie erfahren, wie inhabergeführter Einzelhandel mit Ideenreichtum und persönlicher Beratung erfolgreich bleibt.

  • Der Artikel zeigt, warum lokale Geschäfte für die Attraktivität der Innenstadt unverzichtbar sind.

  • Sie bekommen Einblicke in unternehmerischen Mut, der über Spielzeug hinaus Lebensqualität schafft.

Ein kleines Gradierwerk, darauf sind sie besonders stolz. „Das ist hier einmalig, das gibt es nur in Bad Salzungen“, sagt Andrea Geigengack. Und in der Tat: Wer die winzigen Holzstücke genau zusammensteckt, erhält ein Ensemble, das dem Bad Salzunger Wahrzeichen zum Verwechseln ähnlichsieht, nur ist das selbstgebaute Werk eben so klein, dass es in eine Streichholzschachtel passt.

Das Gradierwerk ist trotzdem nur eine der vielen Kleinigkeiten, die es bei Wir spielen in Bad Salzungen zu entdecken gibt. Vor 18 Jahren gründeten die Schwestern Andrea Geigengack und Ute Abel das Geschäft in der Kurhausstraße. „Ursprünglich waren wir nur ein Spielzeuggeschäft und wollten das auch bleiben“, erzählt Ute Abel und erinnert sich an die Anfänge im Einzelhandel. Die Entscheidung, dass das Schwesternpaar aus dem jeweiligen festen Job aussteigt und sich gemeinsam auf den Weg des eigenen Unternehmens macht, sei ihnen damals schon recht leichtgefallen. „Da wussten wir ja auch noch nicht, was wirklich alles auf uns zukommt“, lacht Andrea Geigengack.

Ute Abel und Andrea Geigengack (v.l.) – die Schwestern betreiben das Geschäft „Wir spielen“ in Bad Salzungen. Der Spielzeugladen bietet inzwischen auch Bastelartikel und vieles mehr. Foto: Paul-Philipp Braun

Familientradition trifft auf Unternehmertum

Dennoch hätten sie es, sagen die Schwestern, nie bereut, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. „Man ist freier, kann selbst entscheiden und sich vor allen die Zeit so einteilen, dass es auch für die eigene Familie passt“, sagt Geigengack. Familie, das ist den Schwestern wichtig. Schon der Blick auf ihre Website verrät, dass sie sich selbst nicht nur als Unternehmerinnen verstehen, sondern auch als „Mutter, Tante, Pate“. Genau das scheint es, was den Charme des kleinen Ladens in Westthüringen ausmacht und was sich durch jeden Winkel des Geschäfts zieht.

Und so kommt man leicht zurück zur Entwicklung der GbR, die sich seit 18 Jahren in Bad Salzungen hält und mit der Zeit gegangen ist. „Schon kurz nach unserer Eröffnung haben wir festgestellt, dass es mehr braucht als nur Spielzeuge für Kinder. Wir haben unser Sortiment um Dekoartikel und Kreativangebote für Erwachsene erweitert. Inzwischen sind auch Glückwunsch- und Beileidskarten hinzugekommen“, erzählt Andrea Geigengack. Dabei liege der Fokus immer auf Dingen, die auch den beiden Inhaberinnen gefallen und die eben etwas ausgefallen seien. Plüschtiere kaufen die beiden beispielsweise besonders gern von französischen Herstellern ein. Das angebotene Porzellan kommt aus einer Bochumer Manufaktur und das Holzspielzeug im Laden hat seinen Ursprung bei verschiedenen deutschen Herstellern, mit denen die Schwestern schon lange zusammenarbeiten.

Der Spielzeugladen „Wir Spielen“ bietet inzwischen auch Bastelartikel und vieles mehr. Foto: Paul-Philipp Braun

Vom Spielzeug zur Lebensqualität

„Wir wollen hier etwas Besonderes anbieten und zugleich regionalen Unternehmen die Chance geben, ihre Produkte an den Mann oder an die Frau zu bringen“, führt Andrea Geigengack aus und zeigt auf das Brettspiel Rhönreise, bei dem sich der nahegelegene Landstrich von Bad Salzungen aus mit Würfeln und Spielfiguren erkunden lässt. Alles im Laden scheint mit Liebe und großer Sorgfalt ausgesucht. Dennoch machen Andrea Geigengack und Ute Abel keinen Hehl daraus, dass ihr Konzept auch sie bisweilen vor große Herausforderungen stellt.

Nicht etwa, weil die Schwestern sich bei der Auswahl ihres Sortiments uneinig seien – „Das hat es noch nie gegeben. Eher überraschen wir uns gegenseitig mit neuen Entdeckungen“, sagt Ute Abel – sondern eher, weil Wir spielen sich mit übergroßen Konkurrenten messen muss. Onlineanbieter können oftmals viel niedrigere Preise verlangen, als das für ein Kleinunternehmen möglich ist, zugleich sind die schnellen Lieferzeiten aus den riesigen Lagern von Amazon und Co. beinahe unschlagbar. „Wir halten da aber gut dagegen“, sagt Andrea Geigengack und betont die familiäre und persönliche Atmosphäre, die auch ihre Kundschaft zu schätzen scheint.

Andrea Geigengack betreiben das Geschaeft „Wir spielen“ in Bad Salzungen. Foto: Paul-Philipp Braun

Lokale Unterstützung in herausfordernden Zeiten

„Amazon weiß nicht, ob vielleicht die Oma schon das für das Enkelkind gekauft hat, was nun die Mama möchte“, lacht Andrea Geigengack und ergänzt: „Und Amazon weiß trotz aller Technik nicht, was genau zu wem passt.“ Die Schwestern haben sich von Beginn an eine stabile Stammkundschaft aufgebaut. Viele von ihnen führt der erste Weg für Spielzeug, Geschenke und kleine Aufmerksamkeiten zu Wir spielen nach Bad Salzungen. „Einige Leute kommen aus einem Umkreis von mehr als 30 Kilometern, um hier einzukaufen“, ist Geigengack stolz.

Wie gut die Beratung ist, davon schwärmt auch eine Kundin, die gerade mit ihrem Kleinkind auf dem Arm durch den Laden läuft. Der Kinderwagen ist am Eingang geparkt, Mutter und Kind bewundern die Spielsachen und werfen von innen einen Blick auf das derzeit herbstlich gestaltete Schaufenster, dessen Auslage schon selbst zum Spielen einlädt. Ute Abel begleitet die beiden durch das Geschäft, weist sie auf neues Sortiment hin und weiß inzwischen, was den beiden gut gefallen könnte. Nach gut einer halben Stunde verlassen Mutter und Kind das Geschäft. Am Kinderwagen hängen nun zwei große weiße Papiertüten, auf denen Heimat shoppen steht. Eine Initiative, die sich für mehr Innenstadt-Handel einsetzt und an der unter anderem Sömmerda, Apolda und Bad Salzungen teilnehmen. Die IHK Erfurt unterstützt die bundesweite Kampagne nach Kräften und arbeitet dafür unter anderem mit dem Handels- und Gewerbeverein Bad Salzungen zusammen. 

Auch das Unternehmen profitiert davon. Nicht nur, weil die weißen Papiertüten mit dem orange-gelben Logo ein echter Hingucker sind und zum Einkauf in der Region einladen, sondern weil sich das Geschäft in der Kleinstadt mit ihren gut 22 000 Einwohnenden eben doch immer wieder behaupten muss. „Wir haben in den letzten 18 Jahren viele Läden gesehen, die um uns herum geschlossen haben. Nur ein paar Ladenlokale sind neubezogen worden“, erzählt Andrea Geigengack. Umso wichtiger sei es daher, kreativ zu werden. Das Miniatur-Gradierwerk ist dafür einer der Ansätze. Auch, weil es nicht nur von den Salzungern gekauft wird, sondern für viele Kurgäste eine schöne Erinnerung an ihre Zeit im Solebad ist. „Man muss nur Ideen haben und dann laufen die Dinge schon“, lacht Andrea Geigengack.

Das Miniatur-Gradierwerk Bad Salzungen passt in eine Streichholzschachtel. Foto: Paul-Philipp Braun

So unterstützt die IHK Erfurt den Einzelhandel

Bei allen Herausforderungen, unterstützt die IHK Erfurt ihre Mitgliedsunternehmen im Einzelhandel immer wieder. Mit der digitalen „Unternehmenswerkstatt“ hat die Kammer ein Instrument geschaffen, das kleinen Händlern echte Hilfe bietet: bankenfähige Finanzpläne, Liquiditätsplanungen, ein Krisenthermometer für schwierige Zeiten. Alles digital, alles auf Knopfdruck verfügbar.

Wer zusätzlich externe Beratung braucht, etwa für Digitalisierungsstrategien oder Sortimentsanpassungen, bekommt von der IHK bis zu 80 Prozent der Kosten erstattet, maximal 2.800 Euro. Und mit Aktionen wie Heimat shoppen bemüht sich die Kammer darum, dass die Kundschaft wieder den Weg in die lokalen Geschäfte findet. Ein starkes Netzwerk, konkrete Förderung und der Mut, Neues zu wagen, das ist Mitgliedschaft in der IHK Erfurt.

Andrea Geigengack mit einer Shoppingtüte der IHK Aktion Heimat Shoppen. Foto: Paul-Philipp Braun

Aktion „Heimat Shoppen“

Die Zukunft des stationären Handels und damit auch der Innenstädte liegt darin, diese zu attraktiven Anlaufpunkten zu machen. Obwohl der Handel nicht zwingend auf die Innenstädte angewiesen ist, sind diese wiederum auf den Handel angewiesen, um eine starke Anziehungskraft zu behalten. Der Handel spielt auch eine bedeutende Rolle als Arbeitgeber und Wertschöpfer für die regionale Wirtschaft. Um diesen Status beizubehalten, müssen sich die Innenstädte im Zuge der globalen Digitalisierung neu erfinden. Die „Heimat shoppen“ Kampagne leistet dazu einen Beitrag, indem sie Netzwerke bildet, die Bürger anspricht und den Gemeinschaftssinn fördert. Das Herz einer Stadt lebendig zu halten erfordert tägliches Engagement und Leidenschaft von allen Beteiligten. Die alljährlichen Aktionstage erinnern symbolisch daran, dass „Heimat shoppen“ jeden Tag stattfindet.

Die IHK Erfurt leitet diese Kampagne, übernimmt die Organisation der Pressearbeit und stellt Werbematerialien wie Tragetaschen, Plakate, Aufkleber, Bierdeckel, Flyer, Luftballons sowie eine Reihe digitaler Werbemittel zur Verfügung.

Die regionalen Sparkassen unterstützen ihre Aktionsstädte und sind nunmehr seit 9 Jahren enge Partner der IHK Erfurt.

Text, Fotos: Paul-Philipp Braun
Bearbeitung, Redaktion: Benjamin Voßler

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Susanne Sturm

Susanne Sturm

Tel: 0361-3484205

E-Mail: sturm@erfurt.ihk.de

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