Künstliche Intelligenz als Game Changer für KMU

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Künstliche Intelligenz als Game Changer für KMU
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Keine Frage: KI ist 2022 in aller Munde – genutzt wird es aber vorwiegend von Großunternehmen und Startups.
  • Doch auch für kleine und mittlere Unternehmen kann der Einsatz von KI zum echten Game Changer werden.
  • Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums hat sich mit den Potenzialen von KI für KMU beschäftigt.

KI im Mittelstand

Künstliche Intelligenz hat Potenziale für kleine und mittlere Unternehmen (KMU): Sie verspricht Kostensenkungen, Effizienzsteigerungen und Qualitätsverbesserungen, neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, Prozessoptimierung, Fehlererkennung und zusätzlichen Nutzen für Kunden. Keine Frage: KI ist 2022 in aller Munde – genutzt wird es aber vorwiegend von Großunternehmen und Startups – das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Die Praxis zeigt: Kleine und mittlere Unternehmen benötigen besondere Unterstützung bei der Implementierung von KI. Diese erhalten sie seit 2019 von den KI-Trainern von Mittelstand-Digital in Form von Workshops, Unternehmensbesuchen, Vorträgen und Roadshows. Innerhalb von zwei Jahren wurden 6.500 Unternehmen mit Angeboten der Qualifizierung und Information erreicht. Wie steht es nun um deutsche Unternehmen in Sachen KI?

Aktuelle Studie liefert praktische Empfehlungen für die KI in KMU

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWi) setzen bislang nur sechs Prozent der Unternehmen KI-Anwendungen ein. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen ist dieser Anteil noch geringer. Warum das so ist und welche Schritte dazu beitragen können, die Potenziale von KI auch für KMU nutzbar zu machen, untersucht die Studie „Künstliche Intelligenz im Mittelstand – So wird KI für kleine und mittlere Unternehmen zum Game Changer“.

Die Untersuchung fußt auf einer Expertenbefragung von 50 „Mittelstand-Digital“-KI-Trainern. „Mittelstand Digital“ ist ein Förderschwerpunkt des BMWi, unter dem ein bundesweites Netzwerk Know-how in Sachen Digitalisierung aufbereitet und von der Forschung in die Unternehmen trägt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit eine „digitale Grundlage“ schaffen, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Das Investitionszuschussproramm „Digital Jetzt“ unterstützt in diesem Rahmen mittelständische Unternehmen mit finanziellen Zuschüssen für Investitionen und die Qualifizierung ihrer Beschäftigten.

KI im Mittelstand: Studie mit Roadmap

Eine Anwendung mit Künstlicher Intelligenz ist in der Lage, konkret definierte Probleme zu lösen. Sie ist zur Selbstoptimierung fähig: Aus den Ergebnissen der eigenen Analyse passt sie die künftigen Ergebnisse mit dem erlernten Wissen an. Das wirtschaftliche Potenzial von KI ist laut Studien enorm, insbesondere für die Branchen Handel und Konsum, Energie, Chemie und Umwelt sowie Telekommunikation, IT und Medien. KI wird den Menschen nicht ersetzen, sondern seine Arbeit unterstützen.

Die Studie „Künstliche Intelligenz im Mittelstand – So wird KI für kleine und mittlere Unternehmen zum Game Changer“ stellt eine Roadmap vor, die KMU beim Einsatz von KI-Anwendungen unterstützt. Auf eine strukturierte Einarbeitung in das Thema folgt die systematische Vorbereitung für den eigenen Anwendungsfall und die Konzepterstellung. Erst danach kann die Integration beginnen, bei der die Mitarbeitenden mit ihren Qualifikationen zu berücksichtigen sind.

In der Praxis ist der Mittelstand bei der Anwendung von KI bislang zögerlich. Nach Einschätzung der Experten ist der KI-Reifegrad der KMU tendenziell gering. Die meisten Unternehmen befinden sich in der Experimentierphase mit KI-Anwendungen (60,4 Prozent), nur ein Teil von etwa 8,3 Prozent der Unternehmen befindet sich in der Übungsphase und nur 2,1 Prozent setzen der Studie zufolge KI operativ ein. Nicht gestartet haben diesen Entwicklungsprozess laut der Erhebung immerhin 29,2 Prozent.

Wo liegen die Potenziale von KI in kleinen und mittleren Unternehmen?

Die Studie stellt dar, dass das Potenzial von KI insbesondere für unterstützende und automatisierte Tätigkeiten sowie für die Bereiche Prozesseffizienz, Kundenservices und Logistik enorm hoch ist. Die Bedeutung von KI im Mittelstand wird im Bereich unterstützender KI (Ausführung repetitiver Aufgaben und Entscheidungsunterstützung) als sehr hoch eingeschätzt, im Bereich Automatisierender KI (Ausführung eines gesamten Prozessschrittes ohne menschliches Zutun) als mittelhoch und im Bereich Autonomer KI (meint: autonome Ausführung eines gesamten Prozesses basierend auf festgelegtem Ziel) als eher gering.

Derzeit erfüllt KI im Mittelstand abgegrenzte Aufgaben („schwache KI“). Vollständig autonome Systeme, bei denen menschliches Zutun nicht notwendig ist, sind zurzeit nicht möglich. Eine Rolle spielen dabei auch Haftungsfragen, wie beim autonomen Fahren. Industrie 4.0 befindet sich daher in der „Autonomiestufe 3“: Mitarbeitende bedienen Maschinen, überwachen Produkte und greifen korrigierend ein, wenn nötig.

Die Entwicklung im Bereich KI im Mittelstand

Die Bedeutung von KI für den Mittelstand ist in den letzten zwei Jahren zuvor stark gewachsen. Unternehmer brauchen eine fachliche Expertise, um Datenerhebungen und -auswertungen abzuleiten. Externe KI-Lösungen sind für die meisten Unternehmer bedeutender als selbst entwickelte Lösungen. Je spezifischer jedoch der Anwendungsfall ist, desto notweniger sind individuelle Lösungen.

Die relevantesten Use Cases von KI sind im Mittelstand Qualitätskontrolle, Datenanalyse, Bilderkennung, Vorausschauende Wartung, Texterkennung und intelligente Assistenzsysteme. Während Start-ups durch radikale Innovationen im Bereich Geschäftsmodell- und Produktinnovationen die Potenziale von KI maximal ausschöpfen, geht der Wandel in produzierenden und verarbeitenden Unternehmen nur schrittweise vonstatten: Anstelle fertiger Produkte geht der Trend dort zu flexiblen Produktionsdienstleistungen. Aber das Potenzial ist da: KI als Querschnittstechnologie kann mit anderen Technologien verbunden werden auf dem Weg zur „Production 4.0“. Genannt werden Internet of Things, Robotic und Blockchain.

Die bisherigen Hinderungsgründe für den Einsatz von KI in KMU

Als Haupthemmnisse im Mittelstand werden fehlende Fachkräfte und fehlendes Know-how genannt, weiterhin eine mangelnde Datenbasis, mangelnde finanzielle Ressourcen sowie ein mangelnder digitaler Reifegrad der KMU. In den Unternehmen werde der Nutzen der Anwendungen unterschätzt und/ oder der Aufwand der Implementation von KI überschätzt. Häufig mangele es im Mittelstand nicht an Datenerhebung und -verfügbarkeit, sondern an der Zusammenführung, Auswertung, Nutzung dieser Daten sowie an den organisatorischen Voraussetzungen.

Um KI in kleine und mittlere Unternehmen zu holen oder dort auszuweiten, empfiehlt die Studie Best Practices mittels Aufbereitung von Know-how in Filmen, Broschüren, Webinaren und Workshops. Weiterhin benötige es Qualifizierungsmaßnahmen für Management, IT-Mitarbeitende und die mit den Prozessen selbst befassten Mitarbeitenden, sowie finanzielle Anreize und Zuschüsse für Unternehmen.

Auch das Umfeld zählt: Die Schaffung von KI-Clustern, Datenplattformen, Demonstratoren sowie internationaler Austausch und Werbekampagnen könnten zur Verbreitung von KI-Anwendungen im Mittelstand beitragen. KI-Förderung sei zu intensivieren und die Programme zur Förderung müssen potenziellen Unternehmen bekannt gemacht werden. Neben der technischen Umsetzung ist ein gutes Projekt- und Change Management in den Unternehmen notwendig. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, Digitalisierung und KI im Mittelstand als Dauerthemen auf der politischen Agenda zu halten.

Autor: Katrin Marie Merten

Zum Download der Studie KI im Mittelstand:

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