Vom Kloster zum Millionenunternehmen: Die Geschichte des Helmut Roßkopf

©Paul-Philipp Braun/Bruder Helmut Roßkopf ist Aufsichtsratsvorsitzender der Rosskopf und Partner AG. Inzwischen ist er jedoch als Vorstand des Kloster Volkenroda in Thüringen aktiv.
Produktionshalle Roßkopf und Partner AG
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Unternehmertum verantwortungsvoll gestalten, das lag Helmut Roßkopf immer schon am Herzen.
  • In seinem Thüringer Unternehmen Roßkopf und Partner hat der Unternehmer die christlichen Werte eingebracht, die er auch im Klosteralltag stets gelebt hat.
  • Lesen Sie, wie Helmut Roßkopf auch als Klosterbruder Unternehmertum lebt.

„Hier Roßkopf“ – so meldet er sich am Telefon. Stellt er sich persönlich vor, dann oft als „Bruder Helmut“ – zumindest dort, wo es passe, erklärt Helmut Roßkopf. Der Mann, der an diesem Tag in seinem Büro an einem kleinen Beratungstisch sitzt, hat zwei Persönlichkeiten oder besser gesagt, er hat zwei Hintergründe. Der eine ist der eines Mitglieds der ökumenischen Jesus-Bruderschaft im Kloster Volkenroda, der andere ist der eines erfolgreichen Unternehmers mit Standorten in Thüringen und Sachsen.

Schreiner und Unternehmer: Eine klare Familientradition

Doch von Anfang an. Helmut Roßkopfs Aufgabe war ihm in die Wiege gelegt. „Mein Vater war Schreiner und sein Vater war auch schon Schreiner. Also wurde ich es auch“, sagt er und wippt dabei auf seinem Stuhl im Beratungsraum hin und her. Dass der Duft von Holz Besucherinnen und Besucher seines Büros empfängt, verwundert kaum. Es habe für ihn von Kindesbeinen an festgestanden, dass er einmal den Familienbetrieb im idyllischen Ort Tannenkirch unweit der Schweizer Grenze übernehmen wird. „Mein Vater nahm mich schon mit in die Werkstatt, als ich noch kleiner war als der zweimal aufgeklappte Zollstock“, erinnert Helmut Roßkopf sich schmunzelnd.

Er lernte das Handwerk und entwickelte die Fähigkeiten, die ein Schreiner – im Norddeutschen nennt man es Tischler – braucht. Genauigkeit, Kreativität und Freude am Weiterentwickeln hätten ihn immer angetrieben, sagt Helmut Roßkopf. 1980 entscheidet er sich nach einer Reihe von Wendepunkten in seinem Leben, den elterlichen Betrieb gegen eine geistliche Verbindung einzutauschen, also zumindest fast. Er trat der Jesus-Bruderschaft bei und zog nach Gnadenthal in Hessen. Dort lebte er mit vier weiteren Brüdern in einer einfachen Gemeinschaft – sie teilten sich einen Schlafraum, ein Bad und ein Wohnzimmer. „Ich wollte schon da Gott und den Menschen dienen“, erinnert Helmut Roßkopf sich heute. Doch seine Mitbrüder fanden, dieses Dienen gehe auch – und vielleicht sogar besser – als Schreiner. Schließlich gebe es immer etwas Handwerkliches zu tun.

Neubeginn in Thüringen: Unternehmer wider Willen

Nach einigen Jahren fand der Südwestdeutsche Roßkopf ein neues Zuhause. 1997 kam er in die stark renovierungsbedürftige Klosteranlage Volkenroda im Unstrut-Hainich-Kreis. „Ich wollte hier eigentlich nur leben“, sagt er heute. Eine Betriebsgründung habe nicht auf seiner Agenda gestanden. Und doch kam es – einmal mehr – anders. Die hohe Arbeitslosigkeit der frühen 2000er Jahre bewegte den christlich geprägten Unternehmer, die Region und ihre Industriegebiete boten sich an. So entstand das Unternehmen Rosskopf und Partner am Standort Obermehler. Kurz zuvor hatte Helmut Roßkopf in Chemnitz in Sachsen schon einen Betrieb aufgebaut, der Thüringer Standort ergänze sich damit hervorragend, so der Unternehmer.

Ortswechsel. Keine fünf Kilometer Luftlinie vom Klosterbüro des Bruder Helmut entfernt steht ein großer, heller und freundlicher Industriebau. Sonnenlicht bricht durch die Fenster und trotz des anhaltenden Brummens der Wasserstrahlschneidemaschine, spürt der Besucher eine offene und herzliche Atmosphäre. Standortleiter Patrick Eggert geht durch die großen Hallen, überprüft die Verarbeitung der Mineralwerkstoffe. Helmut Roßkopf folgt ihm auf den Fuß und doch biegt dieser immer wieder ab. Er begrüßt alle Mitarbeitenden persönlich, gibt ihnen die Hand und ein gutes Wort mit auf den Weg. Und er interessiert sich für das, was im Unternehmen gerade geschieht. Aus seiner aktiven Rolle als Entwickler des Betriebs hat Roßkopf sich im November 2021 herausgezogen.

„Die Hoffnungsträger-Stiftung hat meine AG-Anteile damals übernommen. Seitdem bin ich nur noch als Aufsichtsratsvorsitzender im Unternehmen“, berichtet Helmut Roßkopf. Er habe sich bewusst aus dem Betrieb herausgezogen und seinen Teil an die gemeinnützige Stiftung übertragen:

Porträt von Helmut Rosskopf

Sie werden mein Anliegen, gut zu den Menschen zu sein, weitertragen.

– Helmut Roßkopf, hat seine Anteile an der Roßkopf und Partner AG an eine gemeinnützige Stiftung übertragen

Führung mit christlichen Werten

Wie gut dieses „gut“ sein kann, davon berichtet auch die jetzige CEO der Rosskopf und Partner AG, Christine Bergmann: „Ihm war immer der Blick auf die Menschen wichtig. Das hat er ausgestrahlt – schon als ich vor 19 Jahren ins Unternehmen kam.“ Auf die Frage, wie es sei, mit einem Jesus-Bruder zusammenzuarbeiten, sucht Christine Bergmann einen Moment lang nach einer Antwort und findet sie in einer diplomatischen, aber klaren Aussage: „Natürlich war es außergewöhnlich, nicht jeder trifft täglich einen Klosterbruder. Aber im Unternehmen war er eben ein Unternehmer.“

Die rund 200 Mitarbeitenden des Thüringer Unternehmens erwirtschaften gemeinsam rund 20 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. „Wir stellen vor allem Küchenplatten aus Mineralwerkstoffen her“, berichtet Helmut Roßkopf, der in seiner Rolle des AG-Aufsichtsratsvorsitzenden ebenso aufgeht, wie in der des Klostervorstandes. Insbesondere Küchenstudios und Möbelhäuser würden gern auf die hochwertigen Produkte von Rosskopf und Partner zugreifen. Hin und wieder gäbe es aber auch besondere Aufträge. So erinnert Roßkopf sich an Fassadenelemente, die das Mariott Hotel im französischen Cannes schmücken oder an einen Auftrag, der ihn nach Saudi-Arabien führte. Im King Abdulaziz Center for World Culture stehen Elemente aus dem Werkstoff Corian, gebaut von Rosskopf und Partner. „Das war schon ein spannender Auftrag und eine wirklich interessante Reise“, sagt Helmut Roßkopf, während er mit dem silbernen Konventssiegelring an der Hand über die Kante einer Küchenplatte fährt.

Unternehmer oder Bruder? Eine Frage ohne Antwort

Ob er sich heute mehr als Unternehmer oder als Bruder fühlt? Roßkopf denkt kurz nach. „Diese Frage beschäftigt mich mittlerweile kaum noch.“ Dennoch habe sie sein Leben geprägt. Die Gedanken dazu finden Interessierte inzwischen in der Autobiografie Zwischen Kreissäge, Kloster und Konzern: Wenn Glaube und Geschäftssinn sich vereinen, die im Marburger Francke-Buchverlag erschien und einen sehr persönlichen Einblick in das Innenleben eines Mannes gibt, der auch heute nicht aufhören kann, Unternehmer zu sein. Wenngleich es inzwischen um die Entwicklung einer thüringischen Kloster- und Lebensgemeinschaft geht und nicht mehr um eine Aktiengesellschaft.

Text und Fotos: Paul-Philipp Braun

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