Neues Förderprojekt „ANeTT“ unterstützt Strukturwandel in der Thüringer Automobilbranche

©gettyimages.com/gorodenkoff
Imagebild Automotive im Wandel
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Die Automobil- und Zulieferindustrie gehört nach wie vor zu den bedeutendsten Industriebranchen in Thüringen.
  • Doch kaum ein anderer Sektor hat in den vergangenen Jahren tiefgreifendere Einschnitte und Veränderungen erlebt.
  • Ziel des Projektes „Automotive Netzwerk Transformation Thüringen“ – kurz: ANeTT – ist es, diesen Strukturwandel aktiv zu gestalten.

Ob motorisiertes Zweirad, Pkw oder Gabelstapler – in Thüringen hat die Herstellung von Fahrzeugen, deren Komponenten und die Zulieferung von zugehörigen Bauteilen und
-gruppen eine lange Tradition
. Die Automobil- und Zulieferindustrie gehört zu einer der stärksten Branchen im Freistaat und ist ein wichtiger Arbeitgeber.

Doch kaum ein anderer Sektor hat in den vergangenen Jahren tiefgreifendere Einschnitte und Veränderungen erlebt. Der Umstieg auf E-Automobile oder neue Automobiltrends wie autonomes Fahren, Shared Mobility oder Connected Cars prägen die Branche und haben natürlich auch Einfluss auf die Automobilzulieferer.

Der Druck wächst, zunehmend müssen sich die Betriebe umstellen, flexibler werden und neue Geschäftsfelder erschließen. Dabei zu berücksichtigen sind sich ändernde gesetzliche Vorgaben, etwa zur Zulassung von PKW mit Verbrennern innerhalb der EU, und Marktzugängen, wie gestörte Lieferketten etc., sowie sich wandelnde Fertigungsprozesse. Wichtig ist im Zuge der Anpassungen aber auch die Mitnahme der Beschäftigten, denn durch den Strukturwandel entstehen neue Anforderungen an die Mitarbeiter. Diese wiederum erfordern neue auf die Bedarfe der Unternehmen angepasste Qualifizierungsangebote.

Mit Förderprojekt „ANeTT“ Strukturwandel gestalten

Ziel des Projektes „Automotive Netzwerk Transformation Thüringen“ – kurz: ANeTT – ist es, den Wandel in der Thüringer Automobilindustrie aktiv zu gestalten. Es ist ein durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördertes Projekt.

Gemeinsam mit Unternehmen, Gewerkschaften, Betriebsräten und Kommunen soll im Rahmen des Projekts nach konkreten, auf die wirtschaftlichen Strukturen der Pilotregion zugeschnittenen Lösungen für die Bewältigung des laufenden Strukturwandels in der Automobilindustrie gesucht werden[1].

Unter der Federführung der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG Thüringen) beteiligen sich die Technische Universität Ilmenau (TU Ilmenau) mit dem Thüringer Innovationszentrum Mobilität (ThIMo) und die IHK Erfurt an dem Thüringer Vorhaben.

  • A – Automotive = Spezialisierung auf Automobilhersteller und -zulieferer
  • Ne – Netzwerk = Kommunen/ Landkreise, Unternehmen, Hochschulen, Bildungsträger
  • T – Transformation = Begleitung des Strukturwandels der Automobilbranche
  • T – Thüringen

IHK Erfurt unterstützt als Projektpartner beim Zuschnitt passgenauer Bildungsangebote

Die IHK Erfurt agiert im erläuterten Konsortium als kompetenter und erfahrener Partner bei der Erstellung und Umsetzung von benötigten passgenauen Bildungs- und Qualifikationsangeboten. Verantwortlich für die Umsetzung und Begleitung des Projekts seitens der IHK Erfurt sind Michael Schemann und Andreas Ortlepp.

Projektmitarbeiter „ANeTT“ Michael Schemann

In der Zusammenarbeit mit Hochschulen und Bildungsträgern wollen wir die Qualifizierung und Kompetenzen der Mitarbeitenden ausbauen und vorantreiben. Der eminent wichtige Austausch und Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Unternehmen soll ebenso zur Marktstärkung der Unternehmen beitragen wie auch die wissenschaftliche Entwicklung vorantreiben.

– Michael Schemann, Projektmitarbeiter ANeTT

Projektziele: Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und QTI-Knoten definieren

Ziel ist es, die Thüringer Automobil- und Zulieferunternehmen für den Transformationsprozess resilienter zu machen und eine regionale Struktur zur nachhaltigen Stärkung der Transformationsfähigkeit in der Pilotregion Westthüringen aufzubauen.

Die Pilotregion umfasst die Landkreise Sömmerda, Unstrut-Hainich, Gotha zusammen mit dem Ilm-Kreis, Schmalkalden-Meiningen sowie den Wartburgkreis.

Unternehmen in diesen Landkreisen sind aufgrund ihres bisherigen Produktportfolios stärker betroffen, sodass sich hier neue technologische Chancenfelder, beispielsweise in der Entwicklung in Richtung E-Auto, ergeben. Dies beinhaltet unter anderem auch eine Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, um gegenseitig wirkende Synergien zu erzeugen und eine nachhaltige Vernetzung zu erreichen.

Zuständigkeitsbereiche Projekt ANeTT
©ANeTT/Zuständigkeitsbereiche Projekt ANeTT

Im Detail bedeutet dies, in den Landkreisen der Pilotregion sogenannte Qualifikations-, Transfer- und Innovations-Knoten (QTI-Knoten) zu etablieren, die der systematischen Stärkung der regionalen Standortspezifika dienen.

Dabei ist es für den Projekterfolg unerlässlich, dass Projektkonsortium, Sozialpartner wie auch Landkreise und Unternehmen eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. So kann die weiterführende Vernetzung regionalspezifischer Kompetenzen der involvierten Kommunen und der Austausch von Unternehmen mit Hochschulen und Bildungsträgern innerhalb der Pilotregion gelingen.

©IHK Erfurt/Projektmitarbeiter „ANeTT“ Andreas Ortlepp

Schlussendlich sollen auf die regionalen Spezifika angepasste Qualifikations- und Weiterbildungsmaßnahmen entstehen, die die Unternehmen bei der Gewinnung, Weiterentwicklung und Sicherung ihrer Fachkräfte unterstützen. Darüber hinaus ist es wichtig, durch die zunehmende Automatisierung in der Branche angepasste Tätigkeitsfelder zu definieren und die Beschäftigten in Hinblick auf die neuen Anforderungen zu schulen.

– Andreas Ortlepp, Projektmitarbeiter ANeTT

Der wissenschaftlich-wirtschaftliche Schulterschluss von Hochschulen und Unternehmen soll als weiteres stärkendes Element, neben gesteigerter Standortattraktivität und verbesserten Kompetenzaufbau (QTI) fungieren, indem das Wissen zu den technologischen Themen nicht nur in Vorlesungen behandelt, sondern auch in die Unternehmen der Pilotregion transferiert wird. Damit sollen diese bei der Bewältigung der anstehenden Transformationsprozesse unterstützt und gestärkt werden.

Ein Projekt mit Plan: Die Roadmap für die kommenden Jahre

Für die IHK Erfurt stehen dabei 4 wichtigen Schritte während der Projektlaufzeit auf der Agenda:

Projektskizze-Ablaufplan Projekt ANeTT
©ANeTT/Projektskizze-Ablaufplan

1. Schritt (2022):    

  • Festlegung der Spezialisierung der Landkreise in den Chancenfeldern der Transformation
  • Konzeptionierung der QTI-Knotenpunkte

Mit Beginn des Projekts im November 2022 haben die Projektmitarbeiter Michael Schemann und Andreas Ortlepp, in Zusammenarbeit mit der LEG Thüringen, die betroffenen Landkreise nach deren Spezialisierungsgebieten in der Automobilbranche analysiert und mögliche erste Kompetenzvermutungen für Qualifikations-, Transfer- und Innovations-Knotenpunkte (QTI-Knoten) dargestellt.

2. Schritt (2023): 

  • Aufbau der QTI-Strukturen aus Unternehmen, Bildungsträgern, Hochschulen inkl. aller Projektpartnerschaften
  • Erarbeitung von Qualifikationsmaßnahmen in Bezug auf die regionalen Spezialisierungen

Im zweiten Schritt gilt es für das Jahr 2023, diese QTI-Knotenpunkte mit ansässigen Unternehmen, Bildungsträgern, Hochschulen und den vorhandenen bzw. neu hinzugewonnenen Projektpartnerschaften zu strukturieren, um in Zusammenarbeit und unter Einbeziehung der regionalen Spezialisierung geeignete Qualifikationsmaßnahmen zu erarbeiten.

3. Schritt (2024):      

  • Durchführung erstellter Qualifikationsmaßnahmen inkl. Evaluation
  • Zusammenführung wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Interessen zur Vermittlung von spezifischen Projektthemen

Als weiterer Schritt sollen die zuvor erarbeiteten Qualifikationsmaßnahmen im Jahr 2024 durchgeführt und zum Kompetenzaufbau der Mitarbeitenden von beteiligten Unternehmen, sowohl aus wissenschaftlicher (Fachkompetenz) als auch aus praxis- bzw. berufsorientierter (Methodenkompetenz) Sicht, evaluiert werden. Die Evaluation der Maßnahmen ist die Grundlage für die qualitative Optimierung der Fortbildungsangebote.

4. Schritt (2025):      

  • Erarbeitung eines Transferkonzepts auf Grundlage der QTI-Struktur für andere Regionen Thüringens
  • Formulierung eines Verstetigungskonzepts (stetiger Wandel)

Für 2025 ist vorgesehen, auf Basis der erprobten und eruierten QTI-Struktur ein Transferkonzept zu erarbeiten, um es in anderen Branchen einzusetzen. Mit der Formulierung eines Verstetigungskonzept soll gewährleistet werden, dass Transformationsprozesse – branchenunabhängig – realisiert werden können.

Auftaktveranstaltung „ANeTT“ in Sömmerda

Am vergangenen Dienstag, den 7. Februar 2023, trafen sich im Landratsamt Sömmerda der Leiter des Landratsamtes Sömmerda, Marcus Bals, die Wirtschaftsförderung des Landkreises Sömmerda in Person von Mandy Sömmer sowie der Leiter des Regionalbüros Weimar, Apolda und Sömmerda der IHK Erfurt, Markus Heyn mit den Projektpartnern von „ANeTT“. Der Termin markiert einen ersten Auftakt, um das Anliegen von „ANeTT“ vorzustellen, ein gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen und erste Schritte sowie das weitere gemeinsamen Vorgehen zu besprechen. Weitere Termine in den Regionen werden folgen.

Auftaktveranstaltung „ANeTT“ in Sömmerda
©ANeTT/Auftaktveranstaltung „ANeTT“ in Sömmerda am 07.02.2023 mit den Projektpartnern und Wirtschaftsförderern vor Ort.

Wollen Sie mehr erfahren oder sind Sie an einer Mitarbeit interessiert?

Möchten Sie sich als Unternehmen, Kommune oder Bildungsträger aktiv im Projekt „ANeTT“ einbringen, dann wenden Sie sich gern an die Projektmitarbeiter:

Michael Schemann
E-Mail: schemann@erfurt.ihk.de
Tel.: 0361-3484140
Mobil: 0151-20526780  

Projektmitarbeiter „ANeTT“ Michael Schemann

Sitz der Projektmitarbeiter „ANeTT“:
Thüringer Zentrum für Existenzgründung und Unternehmertum (ThEx) – 2. OG
Gustav-Freytag-Str. 1
99096 Erfurt

Postadresse:
Industrie- und Handelskammer Erfurt
Arnstädter Straße 34
99096 Erfurt

Exkurs: Automobil- und Zulieferindustrie prägt den Wirtschaftsstandort

Die Automobil- und Zulieferindustrie gehört nach wie vor zu den bedeutendsten Industriebranchen in Thüringen. Laut amtlicher Statistik erwirtschaftete sie 2021 mit mehr als 14.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro. Gemessen an der Thüringer Industrie insgesamt entspricht dies einem Anteil von zehn Prozent an den Industriebeschäftigten und einem Umsatzanteil von 11,3 Prozent. Darüber hinaus sind viele weitere Branchen als Zulieferer oder Entwicklungspartner eng mit der Automobilindustrie verbunden (z.B. der Maschinenbau, die Metall-, Kunststoff-, Elektro-, Textil- oder chemische Industrie sowie verschiedene Dienstleister). Insgesamt wird die Beschäftigtenzahl für den gesamten Sektor auf rund 50.000 Personen geschätzt. Die Branche zählt damit nach wie vor zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Region.

Förderer:

Logo Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Projektpartner:

LEG Thüringen Logo

Logo der IHK Erfurt

Logo Thüringer Innovationszentrum Mobilität

TU Ilmenau Logo


[1] Vgl. https://wirtschaft.thueringen.de/ministerium/presseservice/detailseite-1/tiefensee-neues-foerderprojekt-unterstuetzt-strukturwandel-in-der-thueringer-zulieferbranche, letzter Zugriff: 24.01.2023

Kontaktieren
Sie Ihren
IHK-Experten:
Thomas Fahlbusch

Thomas Fahlbusch

Tel: 0361-3484160

E-Mail: fahlbusch@erfurt.ihk.de

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