Unternehmens­nachfolge kann gelingen: „Es muss nur matchen!“

©Paul-Philipp Braun/Unternehmensnachfolge-Der Inhaber und Bücherliebhaber des La Tarte in Weimar, Michael Maaß.
Der Inhaber und Bücherliebhaber des La Tarte in Weimar, Michael Maaß.
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Viele Unternehmer der Gründergeneration der Wendezeit erreichen in den nächsten Jahren das Ruhestandsalter und suchen dringend einen Nachfolger.
  • Auch wenn die Suche herausfordernd ist, kann auch mit Hilfe der IHK die Unternehmensnachfolge gelingen.
  • Die Inhaber des La Tarte in Weimar, Elisabeth und Michael Maaß, erzählen von ihren Höhen und Tiefen bei der Nachfolger-Suche.

Es ist gemütlich, hier zwischen den Büchern. Neben Klassikern stehen Bildbände, ein großes buntes Gemälde schmückt die Wand, weiße, ordentlich gedeckte Tische laden zum Bleiben ein; das La Tarte in der Weimarer Innenstadt ist ein Ort, in dem Menschen sich wohlfühlen können. Mit viel Liebe zum Detail haben Michael Maaß und seine Frau Elisabeth das Lokal eingerichtet. Bretonisch inspirierte Küche und eine große Auswahl an Weinen garantieren, dass hier Menschen aller Geschmäcker auf ihre Kosten kommen.

Seit 16 Jahren beherbergt das La Tarte Menschen aus Weimar und Menschen, die nach Weimar kommen. „Wir haben hier ein sehr individuelles Konzept und fahren damit wirklich gut“, berichtet Michael Maaß, der sich mit seiner Frau durch das La Tarte einen Herzenswunsch erfüllte. Eigentlich aus dem Verlagswesen stammend, beschlossen die beiden schon vor mehr als 20 Jahren, sich in Weimar niederzulassen, begonnen neben einer Buchhandlung auch ein Café aufzubauen. Nach einigen Entwicklungen wurde aus der Idee eines französischen Bistros ein Restaurant, zu dessen Gästen gut 80 Prozent Stammkundschaft zählen.

©Paul-Philipp Braun/Unternehmensnachfolge-Das La Tarte in Weimar.

Suche nach geeignetem Nachfolger äußert schwierig

„Wer zu uns kommt, der macht im Kopf eine kleine Frankreichreise“, sagt Maaß und freut sich, dass der Ansatz der bretonischen Küche in der weltgewandten Stadt Weimar sich großer Beliebtheit erfreut. Dennoch möchte das Besitzer-Paar das Lokal gern bald in neue Hände geben.

„Man wird nicht jünger, sondern älter“, meint Michael Maaß und lacht dabei. Doch sein Lachen ist nur bedingt ein Fröhliches, denn die Suche nach einer geeigneten Nachfolge gestaltet sich schwierig. Zweimal schon waren er und seine Frau Elizabeth auf dem Weg zur Übergabe, zweimal waren auf diesem Weg bei potenziellen Nachfolgern unüberwindbare Hürden aufgetaucht.

Portraitfoto vom Inhaber des La Tarte in Weimar, Michael Maaß.

Bürokratie und lange Vorlaufzeiten haben es uns jedes Mal zu schwer gemacht und so sind wir noch immer nicht an der Stelle, an der wir das La Tarte in gute Hände geben können.

– Michael Maaß, Gastronom und Inhaber des La Tarte, Weimar

Das benachbarte Café Du Jardin hatten die Maaßens hingegen schon im April dieses Jahres übergeben können. Mit dem neuen Eigentümer stehen sie weiterhin in gutem Austausch, unterstützen einander und helfen mit Expertise und praktischen Fähigkeiten. Für Michael Maaß war es die richtige Entscheidung, dass Du Jardin in jüngere Hände zu geben: „Das Café entwickelt sich nun weiter, ist auf einem guten Weg und das tut gut zu sehen.“

Nachfolge in der Gastronomie ist echte Herausforderung

Dass insbesondere die Übergabe von Restaurants sich allerdings schwieriger gestalte, davon weiß auch Jörn Fröbel zu berichten. Er ist Teamleiter für Gründung und Nachfolge bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt und kennt die Herausforderungen, vor denen viele Unternehmen derzeit stehen.

„Wir gehen davon aus, dass pro Jahr mindestens 1.000 Unternehmen in Thüringen nach einer geeigneten Nachfolge suchen“, berichtet Fröbel und erzählt, dass demografischer Wandel aber auch die aktuelle Entwicklung des Fachkräftemarktes dies jedoch zunehmend schwieriger machen: „Die Themen der Gastronomie sind dabei der Einklang von Wirtschaftlichkeit, geeigneten Mitarbeitenden und der Verantwortung, ein Unternehmen zu führen.“

Unternehmensnachfolge durch Familienangehörige mittlerweile selten

„Um diesen Themen zu begegnen, haben wir das Netzwerk Unternehmensnachfolge gegründet. Hier finden Jene zusammen, die abgeben wollen und die, die übernehmen wollen“, erklärt Jörn Fröbel und betont zugleich die Rolle der IHK als Vermittler zwischen beiden Positionen:

Unser Team versucht, beide Seiten möglichst passend zusammen zu bringen und so auch das Lebenswerk von Unternehmerinnen und Unternehmern perspektivisch in gute Hände zu legen.

– Jörn Fröbel, Teamleiter für Gründung und Nachfolge der IHK Erfurt

Noch vor einigen Jahren seien etwa zwei Drittel der Unternehmen interne bzw. durch Familienangehörige übernommen worden. Dieses Verhältnis sei inzwischen bei Weitem nicht mehr existent, meint Fröbel. Stattdessen seien zunehmend mehr Firmen auf die Unterstützung durch außen angewiesen. Das Netzwerk biete dabei eine interessante Grundlage, die aber nur beraten und vermitteln kann. Ob eine Übergabe auch gelinge, hänge vor allem von den beiden Parteien und ihrer Einstellung beziehungsweise den wirtschaftlichen Faktoren ab. Es müsse da einfach matchen, sagt Fröbel.

IHK-Netzwerk Unternehmensnachfolge

Im Rahmen des Verbundes des Thüringer Zentrums für Existenzgründungen und Unternehmertum (ThEx) bündeln die Thüringer Wirtschaftskammern in einem gemeinsamen Beratungs- und Vernetzungsprojekt für Unternehmensnachfolgen ihre Anstrengungen und Kompetenzen. Das IHK-Netzwerk Unternehmensnachfolge ist eine erste Anlaufstelle zu allen Fragen der Unternehmensnachfolge thüringenweit und unterstützt:

  • Sensibilisierung, Begleitung und Information von Unternehmen zum Thema Nachfolge,
  • regelmäßige individuelle Ansprache von Unternehmen, insbesondere deren Inhaberinnen und Inhaber sowie Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer die das 55. Lebensjahr überschritten haben,
  • weiterführende Begleitung der Unternehmen durch Ausbau der vorhandenen Beratungsförderung, insbesondere durch spezialisierte freiberufliche Berater,
  • Vernetzung der Kammerberatung mit den bestehenden regionalen Netzwerken sowie Angehörigen der steuer- und rechtsberatenden Berufe, Kredit- und Förderinstitute,
  • Abstimmung, Koordination und Durchführung von Unterstützungsmaßnahmen,
  • Veranstaltungen, z. B. die Veranstaltungsreihe Roadshow Unternehmensnachfolge,
  • Informations-, Vernetzungs- und Matchingveranstaltungen sowie
  • Sensibilisierung von Gründungsinteressierten, Gründern und weiteren Zielgruppen zur Unternehmensnachfolge als Alternative zur Neugründung.

Mehr zum IHK-Netzwerk Unternehmensnachfolge:

Das vom Freistaat Thüringen geförderte Vorhaben wird durch Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) Plus kofinanziert.

Nachfolge heißt: 15 Jahre Herzblut abgeben

Gute Hände wünschen sich auch Michael und Elizabeth Maaß. „Hier stecken 15 Jahre echtes Herzblut drin, das sollte einem Nachfolger bewusst sein“, sagt Michael Maaß, erklärt aber zugleich: „Wer das La Tarte übernehmen will, der muss aber auch Lust darauf haben, es weiterzuentwickeln, muss bereit sein, sich auf die Kleinstadt mit Weltstadtniveau einzulassen und gern Gastgeber sein.“

Die Buch-Affinität, die das Besitzerpaar hegt, werde nicht erwartet, auch bestehen beide nicht darauf, dass das Lokal so bleibt, wie es ist.

Wir suchen einfach jemanden, der Lust hat, etwas zu bewegen, der unserem Team eine Perspektive bietet und das La Tarte mit Feinsinn und Zukunftsaussichten weiterführt.

– Michael Maaß, Gastronom und Inhaber des La Tarte, Weimar

Nachfolger gesucht oder interessiert an einer Selbstständigkeit?

Auf dem Weg in die unternehmerische Selbständigkeit informiert Sie die IHK Erfurt. Vor allem eine Unternehmensnachfolge ist für Unternehmer, unabhängig davon, wer die Nachfolge antritt, eine große Herausforderung. Dabei spielen Emotionen eine ebenso große Rolle wie finanzielle, rechtliche und steuerliche Aspekte.

Wollen Sie in Zukunft ihr Unternehmen abgeben und suchen nach einem Nachfolger? Dann nutzen Sie das neue IHK-Netzwerk Unternehmensnachfolge oder sprechen unsere IHK-Experten an.

Informieren Sie sich über die 10 wichtigsten Punkte für einen erfolgreichen Weg zur Unternehmensnachfolge und nutzen Sie die Schritt für Schritt Begleitung der IHK Erfurt. Beachten Sie auch die Hinweise zu den Finanzierungsfragen bei der Unternehmensnachfolge und mögliche steuerliche Fallstricke.

Text und Bilder: Paul-Philipp Braun

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IHK-Experten:
Jörn Fröbel

Jörn Fröbel

Tel: 0361-3484315

E-Mail: froebel@erfurt.ihk.de

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