Existenz­gründung als Familien­projekt: Das „Wiesenglück“ in Heilbad Heiligenstadt

©Michael Hesse/Existenzgründung-Das Tiny-House-Projekt „Wiesenglück“ von Caroline Schmidt in Heilbad Heiligenstadt.
Eistenzgründung-Das Tiny-House-Projekt „Wiesenglück“ von Caroline Schmidt in Heilbad Heiligenstadt.
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Existenzgründungen sind der Grundpfeiler für die Nachhaltigkeit der Wirtschaft. Erfreulicherweise zeigen die aktuellen Zahlen, dass nach Corona wieder mehr Menschen den Weg in die Selbstständigkeit wagen.
  • Caroline Schmidt hat sich mit der Eröffnung des Tiny-House-Projektes „Wiesenglück“ im August 2022 einen Traum erfüllt.
  • Lesen Sie, warum sich die Inhaberin selbstständig gemacht hat, wie sehr ihre Familie das Projekt mitträgt und welche Beratungs- und Fördermittel auch Sie nutzen können.

Wie funktioniert Ihre Kaffeemaschine? Wie kann man die Lüftung einstellen? Wie kommt man in die Innenstadt? Banale Fragen, mit denen Caroline Schmidt Tag für Tag gelöchert wird. Die 35-Jährige managt seit gut einem Jahr das Tiny-House-Projekt „Wiesenglück“ am Rande von Heilbad Heiligenstadt. Buchungen, Reinigung, Service.

Die Siedlung mit zusätzlichen Stellplätzen für Wohnmobile und Caravans ist ein Familienprojekt. Schwiegervater Ferdinand, Schwager Nicolas und Ehemann André – sie alle sind als Geschäftsführer mit im Boot. Von ihnen stammt die Idee für die Minihäuser, in der eigenen Tischlerei haben sie die Holzkonstruktionen gebaut. Auch Schwiegermutter Sylvia und die eigenen Söhne, Till und Luca, helfen gerne mit, beispielsweise beim Rasenmähen.

Viel Wiese, viel Glück und eine Caroline

Für Caroline, die das Tiny-House-Projekt leitet, ist das ein 24/7-Job. Rund um die Uhr muss sich die gelernte Bürokauffrau um die acht Häuser und 16 Stellplätze kümmern. Auch in den Abendstunden oder an den Wochenenden rufen Gäste an, um sich den Ticketautomaten oder die beheizbare Outdoor-Badewanne vor zwei der Mini-Häuser erklären zu lassen.

Caroline Schmidt hat für den neuen Job viel aufgegeben. 18 Jahre lang war sie als Vertriebsmitarbeiterin in einer Digitaldruckerei beschäftigt. Schon die Lehre hatte sie dort abgeschlossen. Alle Abläufe waren ihr bekannt, zu Kunden hatte sie einen guten Draht, die Kollegen hatten sie geschätzt. Warum hat sie den sicheren Hafen verlassen? Warum der Ausstieg und der Aufbruch zu neuen Ufern?

Ihre Motivation für die Selbstständigkeit? „Einfach mal etwas Neues probieren“

Caroline Schmidt bezeichnet das „Wiesenglück“ als Baby der Familie. „Das ist unser gemeinsames Projekt.“ Wie sie sagt, um einfach mal etwas Neues auszuprobieren. Für die junge Frau war es ein wohlüberlegter Sprung ins kalte Wasser. Zu jeder Zeit bestand das Risiko, dass das Tiny-House-Projekt nicht angenommen wird.

„Wir wussten ja nicht, wie es anläuft. Die Familie hat mich aber immer gestärkt und gesagt: Mensch, mach das doch!“ Von Anfang an stand fest, das Wiesenglück soll ausschließlich familiengeführt sein. So stehen alle hinter Caroline. Sie ist in der eigenen GmbH als einzige Mitarbeiterin angestellt. Nur mit ihrem persönlichen Einsatz sichert sie den eigenen Job.

Es gibt wieder mehr Existenzgründer!

Eine neue Existenz gründen, das wagen nach der Corona-Pandemie wieder mehr Menschen. Die Zahlen der IHK Erfurt zeigen für Thüringen, dass in den ersten vier Monaten bereits 4.310 Gewerbeanmeldungen registriert wurden. 2022 waren es über das gesamte Jahr betrachtet 10.814 (2021: 11.031). Josefine Kuck berät bei der IHK Erfurt Existenzgründer. Sie spricht von einem Nachholeffekt. In einem ersten Gespräch mit ihr können Interessierte Chancen und Risiken abwägen, bevor ein Unternehmen an den Start geht.

Ein aktueller Trend: zu ihr kommen immer mehr junge Menschen. 14- bis 17-Jährige gründen oft ihr eigenes Online-Unternehmen. Vor dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gelten sie grundsätzlich als beschränkt geschäftsfähig. Deshalb ist die Hürde für Minderjährige besonders hoch. Die Eltern und ein Familiengericht müssen sie dazu ermächtigen, eine Firma mit regelmäßigen finanziellen Ein-und Ausgängen, steuerlichen Verpflichtungen und gesetzlichen Vorgaben führen zu dürfen.

Portrait Dr. Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt

Gründungen beweisen Mut und den Willen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Deshalb habe ich größten Respekt vor jedem, der in die Selbständigkeit startet. Nur so lässt sich die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte unseres Landes weiterschreiben und der erreichte Wohlstand sichern. Die IHK Erfurt steht allen, die ein Unternehmen gründen wollen, mit vielfältigen Beratungsmöglichkeiten und starken Netzwerken zur Seite – nutzen Sie dieses Angebot!

– Dr. Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt

In der Regel sind Existenzgründer zwischen 35 und 45 Jahre alt. Fast ausgeglichen ist dabei der Anteil von Frauen (46 Prozent) und Männern (54 Prozent), die sich von Josefine Kuck beraten lassen. Ihrer Erfahrung nach ist die Zahl der Frauen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Und auch Rentner gehören zum Personenkreis, die Josefine Kuck betreut. Sie gründen ihr eigenes Unternehmen, um es im Nebenerwerb zu betreiben – oft in den Bereichen Dienstleistungen, Gastronomie oder Handel. Generell hat die IHK-Beraterin beobachtet, dass die Zahl der Nebenerwerbsgründungen deutlich zugenommen hat. Im Vergleich zu den Jahren vor Corona sind es 10 Prozent mehr. Gemessen an allen Neugründungen nehmen sie derzeit die Hälfte ein.

Fördertöpfe für Neustarter

Auf zwei Förderinstrumente kann Josefine Kuck zurückgreifen: der Existenzgründerpass der Thüringer Aufbaubank und der Gründungszuschuss der Arbeitsagentur.

  1. Existenzgründerpass der Thüringer Aufbaubank:
    Der Existenzgründerpass richtet sich an Interessierte, die eine Existenzgründung oder Betriebsübernahme in Thüringen beabsichtigen und noch nicht selbstständig sind. Die finanzielle Hilfe bewegt sich zwischen 1.580,00 Euro bei einer Neugründung und 2.210,00 Euro bei einer Unternehmensnachfolge.
  2. Gründungszuschuss der Arbeitsagentur:
    Der 6-monatige Gründungszuschuss der Arbeitsagentur ist an einen Businessplan gebunden und berechnet sich nach dem letzten Arbeitslosengeld I plus eine Pauschale von 300 Euro zur sozialen Absicherung.

Einen Überblick über all die Förderinstrumente verschaffen ihnen die IHK-Mitarbeiter bei einem persönlichen Termin oder regelmäßig einmal im Monat. An jedem dritten Mittwoch lädt die IHK Erfurt zum Beratungssprechtag beispielsweise Experten der Thüringer Aufbaubank ein. Zwanglos ist dabei ein erstes Gespräch über die eigene Business-Idee möglich.

„Das Wiesenglück“: Eine Investition in die Zukunft

Auch Familie Schmidt vom „Wiesenglück“ hat Fördermittel genutzt und insgesamt rund 1,8 Millionen Euro in das touristische Projekt investiert. Rückendeckung für die Investition gab es von Anfang an durch die Stadt. Die wollte einen Caravan-Stellplatz. Nun gibt es diesen in Kombination mit acht Tiny Häusern.

Aus Sicht von Caroline Schmidt hat sich der Aufwand gelohnt. Das „Wiesenglück“ ist gut besucht. „Es macht sehr viel Spaß! Und das tolle ist, wie viele neue Menschen ich kennenlerne.“ Für Caroline Schmidt steht fest, der Schritt in die Selbstständigkeit hat sich gelohnt. Aus ganz Deutschland kommen mittlerweile Gäste, die in Heiligenstadt ihre Ruhe und Entschleunigung finden. Speziell Menschen aus Großstädten genießen es, für einige Tage aus der Wohnung in ein eigenes Haus mit Schlafzimmer, Küche, Bad und Terrasse zu ziehen. Alles kompakt auf bis zu 45 qm. Den Miniurlaub macht Caroline Schmidt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Und das Eichsfeld ist (doch) eine Reise wert

Auf der Internetseite des Unternehmens werden die Gäste mit dem Slogan begrüßt: „Moderne Architektur in entschleunigender Umgebung“. In Heilbad Heiligenstadt liegen die historische Innenstadt, Restaurants und die Therme gleich in unmittelbarer Nähe zum „Wiesenglück“. Auf der touristischen Landkarte Thüringens taucht Heilbad Heiligenstadt jedoch nur am äußersten Rand auf – weit entfernt von der Gäste-Route entlang der Autobahn 4 zwischen Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar und Jena.

Doch das katholische Eichsfeld hat sich gleich nach der Wende herausgeputzt – ein Unterschied zum angrenzenden Niedersachsen ist kaum mehr auszumachen. Zu entdecken sind teils 800 Jahre alte Sakralbauten – rund 200 davon katholische Kirchen und Kapellen, ehemalige Klosterkirchen und Burg- oder Schlosskapellen. Bereits Papst Benedikt XVI. sagte beim Besuch in der Wallfahrtskapelle Etzelsbach im September 2011: „Ich habe seit meiner Jugend so viel vom Eichsfeld gehört, dass ich dachte, ich muss es einmal sehen.“ Und auch das „Wiesenglück“ bereichert das Eichsfeld um eine weitere touristische Attraktion.

Autor: Michael Hesse

 

Wie hilft mir die IHK bei der Existenzgründung?

Ab morgen im Chefsessel? Wir unterstützen Sie auf dem Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit mit zahlreichen Angeboten:

  1. Bei der Recherche zum Thema Existenzgründung hilft das „E-Mail-Infopaket“, welches ganz einfach auf unserer Homepage angefordert werden kann.
  2. Unser wöchentliches, kostenloses Online-Seminar „Orientierungsberatung“ gibt den ersten Einstieg und einen Fahrplan für die nächsten Schritte.
  3. In der vertiefenden persönlichen Gründungsberatung und dem Beratungssprechtag der IHK Erfurt bekommen Gründer ihre individuellen Fragen beantwortet. Eine gute Vorbereitung mit einem ausführlichen Konzept ist das Fundament einer Gründung und offenbart Chancen und Risiken des Vorhabens.
  4. Mit der „Gründungswerkstatt Deutschland“ haben Existenzgründer die Möglichkeit, allein oder im Team ihren Businessplan komplett digital zu erarbeiten. Dabei werden sie kompetent und persönlich durch einen Experten der IHK Erfurt unterstützt.

Wichtig ist es auch, sich darüber im Klaren zu sein: In welcher Rechtsform gründe ich? und Wie erstelle ich einen Businessplan?!

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Tel: 0361-3484213

E-Mail: josefine.kuck@erfurt.ihk.de

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