Wirtschaftsstandort mit Zukunft?!

©IHK Erfurt, Thüringen - Wirtschaftsstandort mit Zukunft
Bild zu Thüringen Wirtschaftsstandort mit Zukunft, Bildgestaltung mit dem Thüringer Wappen-Tier
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Die Thüringer Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen.
  • Hält der bisherige Aufwärtstrend an?
  • Welche Schlüsselbranchen tragen die Wirtschaft in den kommenden Jahren?
  • Welche Erwartungen und Wünsche haben die Unternehmerinnen und Unternehmer der Region?

Drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung steht Thüringen trotz einiger nicht zu unterschätzender Herausforderungen wirtschaftlich gut da. Doch hält der bisherige Aufwärtstrend an? Welche Schlüsselbranchen tragen die Wirtschaft in den kommenden Jahren und welche Erwartungen und Wünsche haben die Unternehmerinnen und Unternehmer der Region?

Hinter uns liegen erfolgreiche Jahre des Wachstums und steigender Beschäftigung. Grundsätzlich ein positives Signal. Ein entscheidender Wachstumsmotor war in der breit gefächerten Thüringer Branchenstruktur dabei schon immer die Industrie. Ihr Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung in Thüringen lag 2020 bei 20,7 Prozent. Im Vergleich dazu kam die Industrie bundesweit auf einen Wert von 19,7 Prozent; in Ostdeutschland belief er sich auf 13,5 Prozent. Erfreulich ist auch, dass sich die Industrie trotz der Corona-Pandemie wieder auf Vorkrisenniveau befindet – eine Entwicklung, die hinsichtlich der Intensität staatlicher Eingriffe in unser Wirtschaftssystem überraschend ist.

Laut dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft seien vor allem erhebliche regionale Unterschiede, grundlegende strukturelle Probleme und die vorhandenen Modernisierungsdefizite die entscheidenden Ansatzpunkte, um die Wirtschaft im Freistaat auch für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zukunftsfähig aufzustellen.

Die Erwartungen der Unternehmer an den Wirtschaftsstandort:

Robert Luhn, Geschäftsführer Moses Gotha GmbH & Co. KG, Gotha

Wir haben viele Wünsche an den Wirtschaftsstandort Thüringen, einer davon ist: die Innenstädte zu stärken – mit starken Gewerbevereinen, aber auch innovativen Konzepten. Dafür brauchen wir die Hilfe der Städte und Gemeinden.

– Robert Luhn, Geschäftsführer Moses Gotha GmbH & Co. KG, Gotha

Thüringens Wirtschaft: Stark dank Vielfalt!

Eigentlich ist es gleichgültig, wen man fragt. Der erste Teil der Antwort auf die Frage, wie Thüringen heute wirtschaftlich dasteht, ist im Kern immer der gleiche. Bei Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee klingt dieser Teil so: „Gemessen an dem, was jenseits aller Anfangseuphorien und politischen Euphemismen tatsächlich zu erwarten war, ist uns Deutschen mit dem Aufbau Ost eine erstaunliche und ziemlich einmalige Gemeinschaftsleistung gelungen.“ Im Freistaat gebe es heute „eine breit aufgestellte, weltmarkttaugliche Wirtschaft“. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Erfurt, Dieter Bauhaus, spricht von „interessanten und zukunftsträchtigen Unternehmen“, die sich inzwischen im Freistaat etabliert hätten. Und tatsächlich lässt sich ja nicht wegdiskutieren, was für eine dynamische Entwicklung ungezählte Unternehmen seit 1990 erlebt haben, dass manche von ihnen heute Weltmarktführer sind, dass die Thüringer Wirtschaft heute zwar ungemein kleinteilig, aber eben auch ungemein vielfältig ist. Eine der großen Stärken dieser Wirtschaftsstruktur: Kleinteiligkeit und Vielfalt haben dem Freistaat mehrfach dabei geholfen, Wirtschafts- und Finanzkrisen besser durchzustehen, als das in Regionen Deutschlands gelungen war, die sehr stark an einzelnen Branchen hängen. Eine Zahlenreihe, die diese Kleinteiligkeit deutlich macht, findet sich beim Landesamt für Statistik. Danach gibt es im Freistaat etwas mehr als 80.000 Unternehmen mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Nur etwa ein halbes Prozent davon hat mehr als 250 Mitarbeiter. Fast 90 Prozent von ihnen haben höchstens neun Beschäftigte. Das alles schließt allerdings nicht aus, dass es auch in Thüringen Schlüsselbranchen gibt – nur eben mehr als ein oder zwei.

Die Schlüsselbranchen

Nach den Daten der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen sind das vor allem die Automobil- und Zulieferindustrie, der Maschinenund Anlagenbau, die Elektrotechnik und Elektronik, die Nahrungsmittelindustrie sowie die Optik; wobei die Automobil- und Zulieferindustrie und die Optik in dieser Aufzählung hervorstechen. Erstere, weil sie den Angaben nach einen jährlichen Umsatz von etwa neun Milliarden Euro erwirtschaftet; das ist bis zu drei Mal so viel wie die anderen Schlüsselbranchen. Letztere, weil sie jene – um Jena herum konzentrierte – Branche ist, von der man im Wirtschaftsministerium sagt, dort spiele Thüringen auch international ganz vorne mit; mit dem Nebeneffekt, dass sich in der Thüringer Optik mehr Geld verdienen lasse, als in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft im Freistaat. Möglich wird das auch durch den Austausch zwischen den Optik-Unternehmen und der Friedrich-Schiller-Universität Jena und anderen Forschungseinrichtungen.

Die Erwartungen der Unternehmer an den Wirtschaftsstandort:

Die Politik aber auch die Städte sind gefragt, gemeinsam mit den Unternehmen ideale infrastrukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, um die in Thüringen wachsende Gründerkultur weiter zu unterstützen.

– Patrick Biesinger, Geschäftsführer cocoon GmbH, Magdala
Die Themen der Zukunft

Freilich aber dürfen diese positiven Aussagen nicht den Blick darauf verstellen, dass die Wirtschaft hierzulande vor gewaltigen Herausforderungen steht. Es ist eben kein Zufall, dass es nach dem ersten Teil der Antwort auf die Frage, wie Thüringen heute dasteht, in der Regel noch einen zweiten Teil gibt. IHK-Präsident Dieter Bauhaus beispielsweise verweist darauf, dass es nicht nur bei der Digitalisierung in Thüringen noch immer Missstände gibt: „Wir brauchen wirtschaftsfreundliche Strukturen mit weniger bürokratischen Regularien, hin zu mehr Vertrauen in die Wirtschaft, mehr Selbstbestimmung und damit mehr Flexibilität und Schnelligkeit.“ Tiefensee spricht von „ostspezifischen Problemen“, die gelöst werden müssten. „In Ostdeutschland fehlt es an Konzernzentralen, Forschung, Fachkräften“, sagt Tiefensee und beschreibt damit etwas, das auch Bauhaus so sieht. Zu diesem Fachkräfteproblem gehört, dass der Altersdurchschnitt der Beschäftigten in Thüringen nach Daten des Wirtschaftsministeriums noch einmal dreißig Prozent schneller steigt als der, der schnell alternden Japaner. Für viele Unternehmen ist es deshalb schon heute ungemein schwer, Menschen zu finden, die die vorhandene Arbeit erledigen.

Zu dem Konzernzentralen- und Forschungsdefizit gehört, dass die kleinen Thüringer Unternehmen nicht so viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken wie Unternehmen in anderen Teilen Deutschlands. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums – das gleichzeitig das Wissenschaftsministerium ist – kommt jeder zweite Euro, der für Forschung und Entwicklung ausgegeben wird, in Thüringen wie ganz Ostdeutschland vom Staat. In den westdeutschen Bundesländern ist es nur jeder dritte Euro. Etwa zwei Drittel der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Thüringen betreiben gar keine Forschung- und Entwicklung. Und das, wo Ideen die Triebfeder der deutschen Wirtschaftskraft sind. So erfolgreich Thüringen also in den vergangenen drei Jahrzehnten wirtschaftlich war, so sehr muss es sich weiterentwickeln, wenn es diesen Wohlstand in den nächsten drei Jahrzehnten behalten will. Auch das sagen eigentlich alle, auf die Frage, wie es dem Land und seiner Wirtschaft heute geht.

Autor: Sebastian Haak 

IHK-Netzwerke für standortpolitische Positionen

Die IHK Erfurt setzt sich gemeinsam mit der IHK Ostthüringen zu Gera sowie der IHK Südthüringen im Sinne der Unternehmen für einen starken Wirtschaftsstandort Thüringen ein. Die Kammern beraten Unternehmen, vertreten deren Interessen gegenüber Politik und Verwaltung und machen fortwährend auf aktuelle Herausforderungen aufmerksam. So bieten die Initiative „WIRtschaft für Thüringen“ und das „Netzwerk Mittelstand der IHK Erfurt“ Plattformen, wirtschaftspolitische Positionen zu bündeln und an Politik und Verwaltung zu adressieren. Damit bleiben die drängendsten Probleme dort, wo sie hingehören – auf der politischen Agenda. Darüber hinaus gründeten die Thüringer Industrie- und Handelskammern gemeinsam mit weiteren Partnern das Thüringer Aktionsbündnis „Innenstädte mit Zukunft“, um diese bei der Bewältigung des Strukturwandels aktiv und langfristig zu unterstützen. Das von engagierten Unternehmern aus Nord-, Mittel- und Westthüringen getragene IHK-Netzwerk Fachkräftesicherung nimmt sich der wohl größten Herausforderung der kommenden Jahre an. Denn die Fachkräftesicherung ist eine der zentralen Maßnahmen für einen langfristigen wirtschaftlichen Erfolg in Thüringen.

Die Erwartungen der Unternehmer an den Wirtschaftsstandort:

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Markus Becherer

Markus Becherer

Tel: 0361-3484266

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