Praxisbeispiele aus Erfurt und Nordhausen – und was Unternehmen daraus mitnehmen können
Elektromobilität ist ein zentraler Baustein der Verkehrswende – und verändert mehr als nur den Antrieb.
In Städten wie Erfurt und Regionen wie Nordhausen zeigt sich, wie nachhaltige Mobilität konkret wirkt: auf Klimaschutz, Erreichbarkeit, Aufenthaltsqualität – und wirtschaftliche Strukturen. Für Unternehmen im Nord-, Mittel- und Westthüringer Kammerbezirk eröffnen sich neue Potenziale – durch Infrastruktur, Weiterbildung und Innovation.
Elektromobilität verstehen – mehr als Strom im Tank
© IHK Erfurt | Symbol Ladestation für Elektrofahrzeuge
Elektromobilität beschreibt Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb – lokal emissionsfrei, leise, energieeffizient.
Gerade im öffentlichen Verkehr bietet sie konkrete Vorteile: planbare Ladezeiten, feste Strecken, zentrale Infrastruktur.
Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen – in Wartung, Personalqualifizierung und Betriebsplanung.
Erfurt: E-Gelenkbusse als Mobilitätssignal
Die EVAG setzt seit Juni 2025 auf vollelektrische Gelenkbusse vom Typ MAN Lion’s City 18 E.
✔ Reichweite: bis zu 200 km
✔ Stromversorgung: 100 % Ökostrom der Stadtwerke Erfurt
✔Batteriekapazität: 640 kWh (acht Lithium-Ionen-Module)
✔Ladezeit: 4–5 Stunden über CCS-Combo-2
✔ Ausstattung: WLAN, Klimatisierung, Assistenzsysteme
Die Fahrzeuge verkehren auf der Linie 9, 51 und 60 – gefördert durch das Land Thüringen mit rund 700.000 Euro – und markieren einen strukturierten Einstieg in eine emissionsfreie Nahverkehrsflotte.
Nordhausen: E-Busse, RufBus-System und Ökostrom
Auch Nordhausen setzt stark auf Elektromobilität – und das schon länger:
„Wir haben seit 2020 die größte Batteriebusflotte in Thüringen in Betrieb.“ – so die Verkehrsbetriebe Nordhausen.
Aktuell fahren 11 E-Busse, drei weitere sind im Zulauf, zwei weitere werden 2025 ausgeschrieben. Bis 2030 sollen über 50 % der Busflotte mit alternativen Antrieben unterwegs sein.
„Das Projekt der Elektromobilität wird seit 2019 stetig vorangetrieben und weiterentwickelt, sodass unsere Quote der Leistungsfahrzeuge mit alternativen Antrieben bis 2030 mit über 50 % geplant ist.
Verkehrsbetriebe Nordhausen
Neben den Fahrzeugen investieren die Verkehrsbetriebe auch in Ladeinfrastruktur und setzen auf Ökostrom-Zertifikate für die E-Bus-Flotte zur ökologischen Bilanzierung.
Parallel dazu betreibt Nordhausen seit 2005 ein bedarfsgerechtes ÖPNV-Angebot – das sogenannte RufBus-System.
„Rund 6 % unserer 3,1 Mio Linienkilometer bieten wir als RufBus-Angebot an. Die Nutzung des Angebotes lag 2024 bei rund 16 % und ist in 2025 leicht ansteigend. Bedarfsgerechte Verkehre sind keine Neuentwicklung und finden in vielen Regionen in Thüringen Anwendung – als Zusatzangebot zur durchgetakteten Innenstadtanbindung, in der Nebenverkehrszeit oder als Angebot der letzten Meile“, so die Verkehrsbetriebe Nordhausen.
Ein System, das besonders im ländlich geprägten Raum wie Nordhausen Flexibilität und Versorgungssicherheit schafft – und damit übertragbar auch auf Mittelzentren wie Erfurt ist.
Wandel durch Wissen: Weiterbildung statt Theorie
Die Mobilitätswende geht nicht ohne Know-how. Die IHK Erfurt unterstützt Unternehmen im Kammerbezirk mit praxisnahen Angeboten zu:
| Themenfeld | Fokus der Weiterbildung |
|---|
| Elektromobilität & Fahrzeugkomponenten | Antriebstechnologien, Wartung, Diagnose |
| Industrie 4.0 & digitale Transformation | Automatisierung, Digitalisierung, Effizienz |
| Elektrik/Elektronik im Betrieb | Grundlagen, Diagnosetechnik, moderne Systeme |
| Wasserstoffanwendungen | Einsatzmöglichkeiten, Sicherheit, Umsetzung |
| Wirtschaftskreisläufe & Energiesysteme | Nachhaltigkeit, Ressourcenmanagement, Strategie |
Mehr Informationen erhalten Sie hier: Automotive Netzwerk Transformation Thüringen – IHK Erfurt
Mobilität weiterdenken – gemeinsam mit der Wirtschaft
Die IHK Erfurt begleitet den Mobilitätswandel aktiv – mit dem Ziel, Unternehmen, Kommunen und Partner in ihrer Transformationsfähigkeit zu stärken. Der Fokus liegt auf Wissenstransfer, Vernetzung und konkreter Umsetzungsunterstützung:
- Beratung zur betrieblichen Mobilität und nachhaltigen Unternehmensentwicklung
- CO₂-Bilanzierung, Energieeffizienz und Förderorientierung
- Workshops zu technischen und strategischen Fragestellungen
- Weiterbildungen zu Elektromobilität, Industrie 4.0 und Wasserstofftechnologien
- Moderation im Dialog zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Verkehrsakteuren
Mehr als ein Besuch – ANeTT als Knotenpunkt der Mobilitätswende
Die IHK Erfurt ist Partner im bundesweiten Transformationsnetzwerk ANeTT – Automotive Netzwerk Transformation Thüringen, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Ziel ist es, regionale Unternehmen bei der Bewältigung des Strukturwandels in der Automobilindustrie aktiv zu begleiten.
Im Fokus stehen Qualifizierung, Wissenstransfer und neue Kooperationen – auch in angrenzenden Branchen wie der Elektromobilität im ÖPNV. So fand im Rahmen des Projekts ein Besuch bei den Verkehrsbetrieben Nordhausen statt, bei dem Fach- und Führungskräfte konkrete Einblicke in Umsetzung und Herausforderungen vor Ort erhielten.
📸 Eindrücke aus Nordhausen – im Rahmen des Projekts ANeTT:
Zahlen & Fakten zur Elektromobilität im ÖPNV
| Thema | Stand / Wert | Quelle |
|---|
| Reichweite MAN Lion’s City 18 E | bis 200 km | MAN Truck & Bus / EVAG |
| Fördermittel für E-Busse Erfurt | 700.000 € | EVAG |
| E-Busse in Erfurt | 4 von 71 Fahrzeugen | EVAG / Electrive.net |
| E-Busse Nordhausen | 11 im Einsatz, 3 im Zulauf | Verkehrsbetriebe Nordhausen |
| Weitere Ausschreibungen 2025 | 2 E-Busse geplant | Verkehrsbetriebe Nordhausen |
| Anteil RufBus-Angebot | 6 % der Linienkilometer | Verkehrsbetriebe Nordhausen |
| Nutzung RufBus 2024 | 16 %, steigend | Verkehrsbetriebe Nordhausen |
| Einwohner Landkreis Nordhausen | ca. 82.000 | Stat. Landesamt Thüringen |
Bedeutung für Wirtschaft und Handel
Verkehr entscheidet, ob Menschen ankommen.
Ein moderner, flexibler und klimafreundlicher Nahverkehr verbessert die Erreichbarkeit, reduziert Emissionen und erhöht die Aufenthaltsqualität – alles Faktoren, die gerade für den stationären Handel, Innenstädte und Betriebe mit Kundenkontakt relevant sind.
Zugleich entstehen neue Geschäftsfelder: Ladeinfrastruktur, Wartung, Energiemanagement – mit wachsendem Bedarf an qualifizierten Fachkräften.
Mobilitätswandel sichtbar gestalten – vor Ort und mit Wirkung
Erfurt testet emissionsfreie Gelenkbusse, Nordhausen kombiniert Batteriebusse, RufBus-System und zertifizierten Ökostrom. Beide Beispiele zeigen, wie Elektromobilität im öffentlichen Nahverkehr konkret umgesetzt wird – mit regionaler Wirkung und bundesweiter Relevanz.
Die IHK Erfurt bringt Perspektiven zusammen: von Unternehmen, Verkehrsträgern und Kommunen. So entsteht aus Einzelmaßnahmen ein Gesamtsystem, das Wirtschaft, Umwelt und Lebensqualität gleichermaßen stärkt.