IHK-HWK-Jahresempfang – Wandel der Arbeit und eine neue Sinngesellschaft

©IHK Erfurt / Barbara Neumann / Jahresempfang von IHK und HWK Erfurt in Weimar.
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Über 500 Gäste folgten der Einladung von IHK und HWK Erfurt nach Weimar.
  • In seinem Gastvortrag sprach Richardt David Precht  über das “Ende der Arbeit wie wir sie kannten”.
  • Thüringens Ministerpräsident freute sich über eine “Wiedereingliederung unter Menschen”.

“Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, und die Anderen bauen Windmühlen.“  Mit diesem chinesischen Sprichwort wurden die 550 geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben zum 22. Jahresempfang der HWK und IHK Erfurt am Dienstagabend, den 5. April 2022 in Weimar begrüßt. 

Vom Wandel der Arbeit und der Sinngesellschaft  

Richard David Precht regte mit seinem Vortrag „Freiheit für alle. Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten“ zum Neugestalten an. Wir stehen vor einem Wandel der Arbeitswelt. So löst der Drang jedes Einzelnen nach sinnvollen Tätigkeiten die Arbeitsgesellschaft ab. Künstliche Intelligenz übernimmt Routinen, für die weder Emotionen noch Moral benötigt werden. Bleiben werden Berufe, die soziale Kompetenzen voraussetzten. Für diese zu begeistern, ist auch Aufgabe der Unternehmen und kann im Schulterschluss mit der Politik den Auswirkungen des demographischen Wandels entgegenwirken. Denn nach Prechts These kann technologischer Fortschritt, kombiniert mit einer Sozialpolitik, die Arbeit günstiger werden lässt und Kapitalflüsse besteuert, die Versorgungsicherheit der Gesellschaft künftig sichern. 

So appellierte er an die Gäste, das Bildungssystem von innen heraus zu verändern und stellte dabei die zentrale Rolle der Unternehmer und deren Fähigkeit, junge Menschen zu begeistern in den Fokus. Mit seinem Vortrag baute er Brücken zwischen den Inseln der Kompetenz im Meer der Inkompetenz. Dieses Bild vereint das in Weimar versammelte Potential Thüringens und zeigt, dass die heterogenen Stärken der einzelnen Akteure in Gemeinschaft dazu fähig sind, Gesellschaft zu gestalten und sich als Region neu zu strukturieren. 

Forderungen in turbulenten Zeiten 

Auf die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine nahmen die Statements von Stefan Lobenstein, Präsident der HWK Erfurt und IHK-Präsident Dieter Bauhaus Bezug. Beide äußerten ihre Betroffenheit und die unabsehbaren Folgen für die hiesige Wirtschaft. Störungen in Lieferketten, Materialengpässe und steigende Energiepreise sind unmittelbare Auswirkungen auf die Betriebe. In diesem Rahmen appellierte Lobenstein an die Politik „Nehmt uns die Steuerlast, wir können nicht mit den Lastenfahrrädern zur Baustelle fahren“. 

Bauhaus forderte von der Landesregierung mehr Verbindlichkeit und Verlässlichkeit bei der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der Politik.

IHK-Präsident Dieter Bauhaus

Es sind die Unternehmen, die den Wohlstand erwirtschaften und die Attraktivität des Standortes maßgeblich beeinflussen.

– Dieter Bauhaus, Präsident der IHK Erfurt

Gleichzeitig nutze er die Gelegenheit, sich für die Arbeit der letzten Jahre zu bedanken, die mit der Pandemie für alle sehr fordernd war. Ganz pragmatisch rief er dazu auf, gemeinsam „ins Machen“ zu kommen und den bürokratischen Aufwand klein zu halten, um dem Wirtschaften keine unnötigen Steine in den Weg zu legen. 

Duale Ausbildung im Fokus 

Für die Förderung der dualen Ausbildung und die Steigerung dessen Popularität setzen sich Handwerk und Industrie gleichermaßen ein. Gemeinsam übernehmen sie Verantwortung als größte Ausbilder und Arbeitgeber in Thüringen, betonte Lobenstein in seiner Antwort auf die Frage zum Umgang mit der Gewinnung von Fachkräften in der Region. 

Weltoffen, attraktiv & innovativ – all das ist Thüringen 

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow begann sein traditionelles Grußwort mit der „Wiedereingliederung unter Menschen“. Damit spielte er auf die erste Veranstaltung dieser Größenordnung nach zwei Jahren pandemiebedingten Einschränkungen an. Er plädierte für eine positive Erzählung über Thüringen und stellt die Stärken unseres Landes in den Vordergrund. Dabei nimmt er die Wirtschaft in die Pflicht, diese Geschichte zu erzählen und so junge Arbeitnehmer an die Region zu binden. Er setzt damit wie Precht am Bildungssystem an, um auf den Fachkräftemangel zu reagieren. Zeichnet zudem eine Willkommenskultur mit Blick auf die Situation in der Ukraine und hebt auch diesbezüglich die Chancen der Zuwanderung und Integration hervor. Sein Plädoyer für ein starkes Thüringen rundet er mit dem Hinweis auf die angesiedelte Chipindustrie ab, dessen Produkte weltweit verbaut werden. Er betont, dass jeder im Saal ein bisschen Thüringen mit sich herumträgt und hält sein Smartphone, stellvertretend für alle Anwendungen der im Freistaat produzierten Chips in die Höhe. 

Ehrung verdienstvoller Persönlichkeiten 

Die Vorfreude auf diesen geselligen Abend war allgegenwärtig und zeigte vergnügte Gesichter. So spürte man wippende Füße bei der musikalischen Einlage der Jazz-Künstler Johannes Fleischer und Fabian Hentschel. Ein passender Rahmen, verdienstvolle Persönlichkeiten wegen ihres besonderen Engagements zu ehren. Die IHK Erfurt ehrte Eckhard Moschcau, Inhaber EURONICS XXL, Kerstin Schreiber, Vorstand Funkwerk AG sowie Colette Boos-John, Geschäftsführerin Bauer Bauunternehmen GmbH. Die HWK zeichnete Harald Scholz, Obermeister der Thüringer Innung der Karosserie- und Fahrzeugbauer aus. 

Insgesamt war der 22. Jahresempfang in Weimar ein voller Erfolg und gemeinsam blicken wir in eine Zukunft, die gestaltet werden will.  

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Katharina Reinhardt

Katharina Reinhardt

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