Das Amt für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Erfurt begleitet Unternehmen bei Investitionen, Erweiterungen und Standortfragen. Als Lotse durch die Verwaltung sorgt es für klare Zuständigkeiten, abgestimmte Verfahren und mehr Planungssicherheit. Darüber hinaus unterstützt das Amt Neuansiedlungen von der Standortsuche bis zur Realisierung, berät zu Fördermitteln und Finanzierungsmöglichkeiten und vermittelt die richtigen Ansprechpersonen innerhalb und außerhalb der Verwaltung.
Im Interview verrät Anastasia Sergan-Waßmann, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Erfurt, wann sich ein frühzeitiger Kontakt für Unternehmen lohnt, wie ihr Team Vorhaben durch die Verwaltung begleitet und wo die Grenzen der Unterstützung liegen.
Anastasia Sergan-Waßmann, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Erfurt / © Amt für Wirtschaftsförderung, Stadtverwaltung Erfurt
Früh Kontakt zur Wirtschaftsförderung in Erfurt aufnehmen
Wirtschaftsmagazin: Wann lohnt sich der frühe Kontakt zur Wirtschaftsförderung besonders? Was leistet die Erfurter Wirtschaftsförderung konkret für Unternehmen und bei welchen Anliegen lohnt sich der frühzeitige Kontakt besonders?
Anastasia Sergan-Waßmann: „Wir sparen Unternehmen vor allem Zeit und Umwege. Wer bei uns anruft, bevor er den ersten Antrag stellt, bekommt von Anfang an die richtige Reihenfolge der Schritte und die richtigen Kontakte. Besonders lohnt sich der frühzeitige Kontakt bei Erweiterungen bestehender Betriebe, bei der Standortsuche für Neuansiedlungen und immer dann, wenn ein Vorhaben mehrere Ämter gleichzeitig betrifft. Genau dort verlieren Unternehmen sonst am meisten Zeit.“
Vom Förderbescheid bis zum Pop-up-Store
Wirtschaftsmagazin: Können Sie an aktuellen Beispielen aus Erfurter Unternehmen zeigen, wie Ihre Unterstützung konkret geholfen hat?
Anastasia Sergan-Waßmann: „Ein Beispiel aus der jüngeren Zeit: Ein größeres Erfurter Unternehmen hatte für die Erweiterung seines Standorts Fördermittel bewilligt bekommen. Die Förderung war an einen schnellen Baubeginn gebunden, die Zeit für das Genehmigungsverfahren war also knapp. Wir haben das Verfahren gemeinsam mit den beteiligten Ämtern priorisiert und immer wieder zwischen Verwaltung und Unternehmen vermittelt, wenn es hakte. Am Ende kam der Bescheid rechtzeitig, der Bau konnte zügig beginnen und die Förderung war gesichert. Das Vorhaben wäre sonst womöglich an der Frist gescheitert, nicht an der Sache.
Das andere Ende des Spektrums zeigt unser Pop-up-Store am Fischmarkt. Dort geben wir Gründern und jungen Unternehmen auf Zeit eine Ladenfläche an einem der meistfrequentierten Orte der Erfurter Innenstadt. Sie testen ihr Angebot unter realen Bedingungen, gewinnen Bekanntheit und erste Stammkunden. Beide Beispiele zeigen, worum es uns geht: Wir helfen dort, wo ein Unternehmen allein nicht weiterkommt, ob bei der großen Erweiterung oder beim ersten Schritt in die Selbstständigkeit.“
Lotsen durch Genehmigungen und Verwaltung
Wirtschaftsmagazin: Viele Unternehmen stehen bei Investitionen, Erweiterungen oder Genehmigungsfragen vor komplexen Abläufen. Wie unterstützt die Wirtschaftsförderung dabei, Zuständigkeiten, nächste Schritte und mögliche Hürden frühzeitig zu klären?
Anastasia Sergan-Waßmann: „Investitionsvorhaben scheitern selten an der Idee, sie stocken oft an zu wenig Kommunikation. Bauamt, Umweltamt, Brandschutz, manchmal auch Landesbehörden: Jedes Verfahren hat eigene Fristen und Anforderungen. Wir wollen Unternehmen nicht von Amt zu Amt schicken, sondern sie durch die Verwaltungsprozesse begleiten. Deshalb klären wir frühzeitig Zuständigkeiten, koordinieren die beteiligten Fachämter und organisieren Termine. Die Wirtschaftsförderung beteiligt sich an ämterübergreifenden Beratungen, bei denen das Bauamt, das Stadtplanungsamt, das Umwelt- und Naturschutzamt, die Feuerwehr, das Tiefbau- und Verkehrsamt sowie weitere Beteiligte konkrete Vorhaben gemeinsam besprechen. So klären wir früh, welche Genehmigungen in welcher Reihenfolge nötig sind, und benennen mögliche Hürden, bevor sie zum Problem werden. Das erspart böse Überraschungen im späteren Verfahren, schafft Planungssicherheit für die Unternehmen und verbessert die Kommunikation.“
Wenn Unternehmensvorhaben feststecken
Wirtschaftsmagazin: Aus der Wirtschaft kommt immer wieder die Rückmeldung, dass Vorhaben durch langwierige Verfahren, unklare Zuständigkeiten oder fehlende Erreichbarkeit verzögert werden. Wie gehen Sie mit solchen Rückmeldungen um – und was kann die Wirtschaftsförderung konkret tun, wenn ein Vorhaben ins Stocken gerät?
Anastasia Sergan-Waßmann: „Diese Rückmeldung nehmen wir ernst. Wenn ein Vorhaben feststeckt, ist unsere erste Aufgabe, die Zuständigkeit eindeutig zu klären: Wer in der Stadtverwaltung ist gerade am Zug? Und warum dauert es? Dann suchen wir das direkte Gespräch mit dem zuständigen Amt, oft reicht das schon. Bei komplexeren Fällen moderieren wir einen Austausch mit allen Beteiligten. Was wir nicht tun: Zusagen machen, die wir nicht halten können. Aber wir sorgen dafür, dass ein Vorgang sichtbar ist und nicht liegen bleibt.“
Was Wirtschaftsförderung leisten kann – und was nicht
Wirtschaftsmagazin: Wo liegen die Grenzen Ihrer Einflussmöglichkeiten? Und wie erklären Sie Unternehmen transparent, was die Wirtschaftsförderung leisten kann und was nicht?
Anastasia Sergan-Waßmann: „Wir können Genehmigungsverfahren begleiten und Abstimmungen beschleunigen, aber wir können die Verfahren nicht ersetzen. Fachrechtliche Prüfungen, etwa im Bau- oder Umweltrecht, treffen die zuständigen Ämter eigenständig, das ist auch richtig so. Wir sagen Unternehmen das von Anfang an klar: Wir öffnen Türen und verkürzen Wege, die inhaltliche Entscheidung liegt bei der Fachbehörde. Diese Transparenz erspart am Ende Frust auf beiden Seiten.“
Kurze Wege zwischen Stadt und IHK Erfurt
Wirtschaftsmagazin: Wo arbeiten Wirtschaftsförderung und IHK Erfurt bereits zusammen und wie kann diese Zusammenarbeit Unternehmen künftig noch stärker zugutekommen?
Anastasia Sergan-Waßmann: „Wir arbeiten bereits eng zusammen, etwa in Projekten des städtischen Citymanagements, beim IHK-Wirtschaftsbeirat, beim Thüringer Wirtschaftskongress erwicon und im laufenden Austausch zu aktuellen Themen. Künftig kann diese Zusammenarbeit noch stärker wirken, wenn Anliegen aus der Wirtschaft, die zuerst bei der IHK ankommen, noch schneller und direkter zu uns gelangen – und umgekehrt. Kurze Wege zwischen Kammer und Stadt sparen Unternehmen am Ende bares Geld.“
Beratungsangebote sichtbarer machen
Wirtschaftsmagazin: Wo sehen Sie Nachhol- oder Verbesserungsbedarf? Welche Angebote oder Unterstützungsleistungen möchten Sie gemeinsam mit der IHK Erfurt besser sichtbar machen?
Anastasia Sergan-Waßmann: „Nachholbedarf sehe ich vor allem bei der Sichtbarkeit unserer Angebote. Noch immer gibt es Unternehmen, die nicht wissen, wann sich ein Anruf bei uns lohnt. Das wollen wir gemeinsam mit Partnern wie der IHK ändern. Aus unserer aktuellen Unternehmensbefragung wissen wir sehr genau, wo der Schuh drückt. Dieses Wissen soll nicht in einer Auswertung liegen bleiben, sondern in konkrete Beratungsangebote münden. Und weil nicht jedes Unternehmen die Zeit oder den Anlass hat, uns aufzusuchen, gehen wir künftig stärker auf die Unternehmen zu, statt zu warten, bis sie zu uns kommen.“
Ermöglichen statt nur verwalten
Wirtschaftsmagazin: Der Thüringer Ministerpräsident hat den Behörden im Land einen Wandel zu einer „Kultur des Ermöglichens“ aufgetragen. Wie finden Sie das und was unternimmt die Wirtschaftsförderung, um diesen Wandel aktiv anzugehen?
Anastasia Sergan-Waßmann: „Diese Kulturveränderung unterstütze ich ausdrücklich. Für uns bedeutet sie im Alltag: nicht zuerst fragen, was dagegenspricht, sondern zuerst prüfen, wie ein Vorhaben möglich wird. Konkret heißt das, Abstimmungswege zwischen den Ämtern zu verkürzen und Unternehmen von Anfang an als Partner zu behandeln, nicht als Antragsteller, der abgefertigt wird. Der Wandel gelingt nicht über Nacht. Aber er ist bei uns bereits sichtbar in der Art, wie wir Anfragen bearbeiten: gemeinsam am Tisch, mit klarer Zuständigkeit und einem verbindlichen nächsten Schritt.“
Kontakt zur Wirtschaftsförderung Erfurt
Amt für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Erfurt
Warsbergstraße 3
99092 Erfurt
Technisches Rathaus
Ansprechpartnerin:
Anastasia Sergan-Waßmann, Amtsleiterin
Telefon: 0361 655-1914
E-Mail: wirtschaftsfoerderung@erfurt.de
Web: www.erfurt.de/wirtschaft
Termine: nach Vereinbarung
Service für Unternehmen
Die Wirtschaftsförderung unterstützt Unternehmen bei Ansiedlungen, Erweiterungen und Standortfragen. Sie vermittelt Gewerbeflächen und Gewerbeimmobilien in 14 erschlossenen Gewerbegebieten, berät zu Fördermitteln und Finanzierungsmöglichkeiten und übernimmt eine Lotsenfunktion durch die Verwaltung.
Bereiche der Wirtschaftsförderung
- Glasfaserausbau
- Unternehmensbetreuung und Unternehmensansiedlung
- Citymanagement
- Gründerservice und Pop-up-Store
- Fördermittelberatung und Fachkräftegewinnung
- Thüringer Wirtschaftskongress erwicon, Lange Nacht der Wissenschaften und weitere Veranstaltungen