Regional verwurzelt und modern aufgestellt
Der Sitz der Stadtwerke Sondershausen GmbH lässt heute kaum noch erahnen, welche ursprüngliche Nutzung dem Gebäude einmal zukam. Früher war hier ein DDR-Kindergarten untergebracht. Inzwischen wurde das Gebäude kernsaniert und bietet moderne Raumaufteilungen mit offen gestalteten Büros und Beratungsräumen für die Belegschaft. Eine Verbindung zur Vergangenheit gibt es dennoch: Heute teilen sich die Stadtwerke das ehemalige Kindergartengebäude wieder mit einer Kita.
Diese Nähe zum Alltag der Menschen passt zum Selbstverständnis des Unternehmens. Die Stadtwerke verstehen sich nicht nur als technischer Dienstleister, sondern als Teil des gesellschaftlichen Lebens in der Region. Für Anja Lemke, Diplomingenieurin und Geschäftsführerin der SWS, ist ihr Unternehmen eines der zentralen Dreh- und Angelpunkte vor Ort:
„Wir sind eng mit der Stadt und dem Umfeld vernetzt, unterstützen Institutionen, Vereine und gesellschaftliches Miteinander.“
Das zeigt sich unter anderem in Spenden und Sponsoring zur Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit, in sozialem Engagement sowie in Förderprogrammen für Kundinnen und Kunden. So werden die Stadtwerke zu einem Partner, der nicht nur Energie liefert, sondern Verantwortung übernimmt – für Menschen, Vereine, Institutionen und Unternehmen in der Region.
Im Herzen Energie: modern, dynamisch und mehr als nur ein Versorgungsunternehmen
Die Stadtwerke Sondershausen sind ein regionaler Versorger in Nordthüringen. Sie liefern nicht nur Strom, sondern bieten Kundinnen und Kunden unter anderem auch Erdgas, Fernwärme, die Bereitstellung von Wasser sowie weitere Dienstleistungen an. Das Unternehmen wurde 1992 gegründet und versorgt seit nunmehr über 30 Jahren Einwohnerinnen und Einwohner, Gewerbetreibende und Unternehmen – nicht nur in der Kernstadt mit ihren Ortsteilen, sondern auch in umliegenden Gemeinden.
Was auf den ersten Blick nach lokalem Kleinstadtbetrieb klingt, ist in Wirklichkeit ein komplexes Versorgungsunternehmen mit rund 60 Mitarbeitenden. Die Anforderungen an kommunale Versorger steigen seit Jahren deutlich. Photovoltaikanlagen, Balkonkraftwerke, Elektromobilität, elektrisches Heizen, Fernwärme, Netzstabilität, Digitalisierung und Kundenkommunikation verändern Prozesse, Infrastruktur und Arbeitsabläufe.
Insbesondere die Energie- und Wärmewende verlangen dem Unternehmen einiges ab. Anja Lemke beschreibt die aktuelle Herausforderung so:
„Unser Fokus liegt auf der Bewältigung der zunehmenden Komplexität der Energieversorgung im Zusammenhang mit Netzstabilität, sicherer Versorgung sowie der Finanzierbarkeit der Energiewende. Eine wachsende Anzahl erneuerbarer Energien (PV-Anlagen, Balkonkraftwerke, Elektromobilität oder auch elektrisches Heizen) verlangt eine klare Kommunikation und Digitalisierung von Prozessen“, erklärt Anja Lemke. Damit wird deutlich: Die Energiewende in Thüringen findet nicht abstrakt statt. Sie beginnt dort, wo Netze geplant, Anlagen betreut, Kundinnen und Kunden beraten und neue Lösungen umgesetzt werden. Gerade regionale Energieversorger wie die Stadtwerke Sondershausen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie verbinden technische Infrastruktur mit direkter Nähe zu Menschen, Unternehmen und Kommunen.
Die Stadtwerke Sondershausen setzen auf erneuerbare Energien und gestalten die Energiezukunft in Nordthüringen aktiv mit. © IHK Erfurt / Paul-Philipp Braun
Versorgungssicherheit beginnt regional
Auch globale Entwicklungen zeigen, wie wichtig eine unabhängige und zukunftsfähige Energieversorgung ist. Fossile Abhängigkeiten, internationale Krisen und volatile Märkte machen deutlich, dass regionale Lösungen weiter an Bedeutung gewinnen.
Betrachtet man die globalen und fossilen Abhängigkeiten, so Anja Lemke weiter, wäre es um so wichtiger, den Transformationsprozess zu forcieren, um hiervon loszukommen.
Der andauernde Iran-Krieg aber auch frühere Krisen würden dafür wie ein Brennglas wirken, meint die Geschäftsführerin. Dauerhafte Unabhängigkeit gelingt nur, wenn wir Fernwärme weiter dekarbonisieren und so eine nachhaltige und klimaschonende Wärmeversorgung für unsere Kunden gewährleisten.
Für einen kommunalen Versorger klingt das zunächst nach großer Geopolitik. Doch heruntergebrochen auf die Region wird es sehr konkret: Wer lokal Strom aus Sonnenlicht produziert, Wärme effizienter bereitstellt, Ladeinfrastruktur mitdenkt und Netze stabil hält, stärkt nicht nur den Klimaschutz. Er stärkt auch Versorgungssicherheit, Standortqualität und wirtschaftliche Resilienz in Nordthüringen.
Oder anders gesagt: Wer vor Ort Energie erzeugt, nutzt und weiterentwickelt, macht sich unabhängiger von Entwicklungen, die tausende Kilometer entfernt entschieden werden. Genau darin liegt der Kern dieser Transformation – und das Selbstverständnis, mit dem die Stadtwerke Sondershausen in die nächsten Jahre gehen.
Ausbildungsstellen frei: Nachwuchs gesucht
Damit diese Aufgaben auch künftig zuverlässig erfüllt werden können, braucht es qualifizierte Fachkräfte. Die Stadtwerke Sondershausen setzen deshalb gezielt auf Ausbildung in Thüringen und Nachwuchsförderung. Derzeit bildet das Unternehmen fünf junge Menschen aus – unter anderem im Büromanagement, als Industriekaufleute sowie in den technischen Berufen Anlagenmechaniker und Elektroniker für Betriebstechnik.
Begleitet werden die Auszubildenden eng durch Justin Blanke, der im Personalwesen der Stadtwerke Sondershausen arbeitet und unter anderem für den Bereich Aus- und Weiterbildung zuständig ist. Gerade im technischen Bereich sei die Nachfrage nach Ausbildungsstellen eher rückläufig, berichtet er:
Wir versuchen über Praktika und dem Tag in der Praxis (TiP) auf die Vielfalt und das interessante Arbeitsumfeld bei uns aufmerksam zu machen.
Justin Blanke – Stadtwerke Sondershausen
Die Ausbildungsberufe bei einem regionalen Energieversorger verbinden Technik, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Verantwortung. Wer eine Ausbildung bei den Stadtwerken Sonderhausen beginnt, arbeitet nicht an irgendeinem Zukunftsthema, sondern an einem ganz konkreten: daran, dass Strom, Wärme und Wasser in der Region zuverlässig verfügbar bleiben. Gerade technische Ausbildungsberufe wie Elektroniker für Betriebstechnik oder Anlagenmechaniker bieten jungen Menschen langfristige Perspektiven in einem Arbeitsfeld, das für Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft immer wichtiger wird.
IHK Erfurt unterstützt bei der passgenauen Besetzung
Unterstützt werden die Stadtwerke Sondershausen durch das Projekt der Passgenauen Besetzung, das die IHK Erfurt anbietet. Ziel ist es, geeignete Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz mit einem möglichst passenden Unternehmen zusammenzubringen – und so Betriebe bei der Besetzung offener Ausbildungsstellen zu unterstützen.
Für die Stadtwerke ist dieses Angebot ein wichtiger Baustein, um junge Menschen auf die beruflichen Möglichkeiten in der regionalen Energieversorgung aufmerksam zu machen. Daniela Kohtz-Wallor, Beraterin im Projekt Passgenaue Besetzung der IHK Erfurt, sieht dabei klare Vorteile:
Die Stadtwerke Sondershausen bieten ihren Auszubildenden einiges.
Daniela Kohtz-Wallor
Auch darüber hinaus verweist Frau Kohtz-Wallor auf Rahmenbedingungen, die für junge Menschen aus der Region entscheidend sein können: Es handelt sich um ein tarifgebundenes Unternehmen, das Fahrt- und Unterkunftskosten für seine Azubis trägt und bei dem Auszubildende vom ersten Tag an voll in die Alltagsabläufe integriert werden.
Eine so umfangreiche Unterstützung sei alles andere als selbstverständlich, betont die IHK-Mitarbeiterin. Gerade für Jugendliche aus dem Umland kann sie entscheidend sein. Wer täglich nach Sondershausen pendelt oder für die Berufsschule zusätzliche Kosten einplanen muss, profitiert unmittelbar von solchen Rahmenbedingungen. Sie können den Unterschied machen zwischen einem Ausbildungsplatz, der funktioniert, und einer Chance, die nach wenigen Wochen wieder aufgegeben wird.
Das Beispiel zeigt, wie wichtig gezielte Unterstützung bei der Ausbildung in Thüringen ist: Unternehmen brauchen Nachwuchs, junge Menschen brauchen Orientierung – und Angebote wie die Passgenaue Besetzung helfen dabei, beides zusammenzubringen.
Fachkräfte für die Energiezukunft in Thüringen
Die Stadtwerke Sondershausen zeigen beispielhaft, wie regionale Unternehmen Fachkräftesicherung, Energiewende und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbinden. Als kommunaler Versorger sichern sie nicht nur Strom, Erdgas, Fernwärme und Wasser für Menschen und Unternehmen in Nordthüringen. Sie schaffen auch Ausbildungsplätze mit Perspektive und eröffnen jungen Menschen berufliche Chancen in einem zukunftsrelevanten Arbeitsfeld.
Damit wird deutlich: Die Transformation der Wirtschaft braucht nicht nur Technologien, Investitionen und politische Rahmenbedingungen. Sie braucht Menschen, die vor Ort anpacken, Verantwortung übernehmen und Zukunft praktisch gestalten.
Fotos & Text: Paul-Philipp Braun
Bearbeitung & Redaktion: Randi Hofmann (IHK Erfurt)