Elmü ist vieles. Es bietet Lösungen für Elektromobilität, Smart-Home-Angebote, Elektroinstallationen und damit fast die ganze Palette der Branche. Das Unternehmen aus Mühlhausen zählt mit seinen rund 100 Mitarbeitenden schon zu den größeren Betrieben im ländlich geprägten Unstrut-Hainich-Kreis. Für Georg Bischoff ist die Elmü Elektro/Elektronik GmbH wiederum mehr als nur „vieles“; es ist sein Lebenswerk.
Mit 77 Jahren sitzt der gelernte Elektriker noch immer am ausladenden Geschäftsführer-Schreibtisch. Mit zwei Bildschirmen und jeder Menge Papier sieht die Arbeitsfläche geschäftig aus. Und in der Tat: Einen gemeinsamen Termin für das WiMa-Gespräch zu finden, war gar nicht so einfach. „Hier ist eben immer etwas los“, scherzt Bischoff. Doch der Grund, dass es einige Zeit brauchte, war noch ein anderer: bevor das Treffen vereinbart werden konnte, mussten Georg Bischoff und sein Team erst einmal zahlreiche Abstimmungsrunden durchlaufen.
Denn der Fokus dieses WiMa-Beitrags ist brisant: Elmü entwickelt derzeit ein einzigartiges Wärmespeichersystem für Einfamilienhäuser und kleinere Geschäftsgebäude. „Da geht es immer wieder um Fragen zu Patenten und auch möglichen Fördermitteln“, erklärt Geschäftsführer Bischoff. Er sei auch auf die Idee gekommen, die technische Umsetzung des Projekts liegt inzwischen aber in den Händen Oliver Laufers.
Georg Bischoff am Schreibtisch +++ Das Unternehmen Elmü in Mühlhausen erarbeitet gerade ein Speichersystem für Wärme auf der Basis von Solarenergie. Foto: Paul-Philipp Braun
Vom Pendler zum Projektleiter
Als Projektleiter ist Laufer für eine ganze Reihe von Innovationen aus dem Hause Elmü verantwortlich. Der Wärmespeicher ist allerdings das größte eigene Vorhaben, welches das Unternehmen gerade voranbringt. Eigens dafür ist Oliver Laufer vor einem Jahr zu Elmü gekommen. Auch weil es ihn wieder in die Heimat zog. „Ich wollte auch wieder näher an meinem Zuhause arbeiten“, sagt Laufer, der aus Niederdorla stammt und der fast 20 Jahre lang nach Bebra im Hessen pendelte. 70 Kilometer hin, 70 Kilometer her, fast täglich. Das sei einfach zu zeitraubend gewesen, erzählt Oliver Laufer.
Als der Elmü-Chef ihm dann von der innovativen Idee mit dem Speicherofen erzählte, sei er sofort begeistert gewesen. „Und wichtig ist mir auch, dass es menschlich passt“, sagt Georg Bischoff. Zusammen wollen sie das Vorhaben ihres Wärmespeichers voran- und damit über die Musterphase hinausbringen. Die Idee dahinter sei dabei gar nicht neu, erzählt Georg Bischoff und deutet auf eine etwa 70 Zentimeter große Kiste an der Außenwand seines Büros. Es ist ein Nachtspeicherofen, der dort steht und welcher schon beim
Elmü-Neubau Anfang der 1990er Jahre verbaut wurde.
Techniker Oliver Laufer an dem Speichersystem. Foto: Paul-Philipp Braun
Bewährte Technik neu gedacht
Genau das gleiche Prinzip setzt das Unternehmen nun auch für den Wärmespeicher-Piloten ein. „Nur dass wir eben nicht mehr nachts laden und tagsüber abgeben, sondern die hellen Monate zum Speichern und den Winter zum Wärmen nutzen“, erklärt Georg Bischoff. Das Zauberwort hierfür lautet Photovoltaik. Mittels Strom aus Solarenergie – „Die schenkt uns Gott umsonst“, sagt Georg Bischoff – werden Steine aus keramisch gebundenem Eisenerz im Inneren des Speichers aufgeheizt. Die elektrische Energie wird somit in thermische Energie umgewandelt.
Das Speichersystem, Industrieflece und ein Speicherstein. Foto: Paul-Philipp Braun
Speichersteine mit keramischer Bindung für den Wärmeerhalt. Foto: Paul-Philipp Braun
WIE FUNKTIONIERT DAS SYSTEM?
Der Wärmespeicher wird mit überschüssiger Energie einer Photovoltaikanlage betrieben. Heizstäbe erwärmen den Wärmespeicher, der seine Energie in der kalten Jahreszeit über das hauseigene Heizsystem abgibt. Der Fokus der Anwendung liegt auf Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften sowie auf Werkstätten, Lager- und Montagehallen. Die wesentliche Herausforderung des Systems besteht derzeit noch im Platzbedarf mit etwa zehn Kubikmetern für ein Mehrfamilienhaus, dies soll jedoch noch optimiert werden. Die Kosten für eine Anschaffung beziffert Elmü auf etwa 35 000 Euro. Ein Preis, der sich aber durch die enorme Langlebigkeit von mehr als 30 Jahren und den ökologischen Ansatz des Solarstroms binnen zehn Jahren amortisiert.
Praxistest im Fachwerkhaus
„Dank einer dicken Isolierschicht bleibt die Wärme dann erhalten. Sie wird durch einen Wärmetauscher an das angeschlossene Heizsystem geleitet und an die Räume im Haus abgegeben“, sagt Techniker Oliver Laufer. Im Rahmen der Versuchsreihen wird jedoch vorerst nur ein Warmwasserbehälter versorgt. Besagtes Haus, in dem das derzeit einzige Modell des Wärmespeichers steht, ist der einstige Sitz von Elmüs Vorgängerfirma. Die 1974 gegründete Produktionsgenossenschaft des Handwerks, PGH, hatte ihren Sitz in einem historischen Fachwerkhaus in der Mühlhäuser Innenstadt.
„Das ist allerdings für uns nicht mehr als Unternehmenssitz nutzbar“, sagt Georg Bischoff. Inzwischen ist ein kleines Ärztezentrum in dem Fachwerkhaus mit Blick auf die Marienkirche entstanden. Neben einer Allgemeinmediziner-Praxis, hat auch ein gynäkologisches Versorgungszentrum seinen Sitz. „Und die Praxisräume beheizen wir eben mit Wärme aus unserem Speichersystem“, ist Bischoff stolz. Der Mehrwert dafür liege auf der Hand: Nicht nur die gleichmäßige Wärme, sondern auch der umweltsensible Aspekt des Heizens sei Elmü wichtig. Die Energie für den modifizierten Nachtspeicherofen kommt aus einer direkt angeschlossenen Photovoltaikanlage. Diese befindet sich an einer Außenwand des Vierseitenhofs, der das Ärztehaus beherbergt.
Die Solaranlage wurde in Südlage und denkmalgerecht installiert. Foto: Paul-Philipp Braun
Denkmalschutz trifft Solartechnik
Und genau diese Anlage sei eine der größeren Herausforderungen gewesen, erzählt Oliver Laufer. Schließlich gehört die Mühlhäuser Altstadt zu den touristischen Höhepunkten in der Region und sei weitestgehend denkmalgeschützt. „Wir mussten die Anlage also so aussehen lassen, dass sie die Schieferverkleidung einer Wand imitiert“, erzählt der Projektverantwortliche. Und in der Tat: Die großen schwarzen Platten sind erst auf den zweiten Blick als Solarpaneele auszumachen. „Es geht alles, wenn man nur miteinander spricht“, sagt Elmü-Chef Georg Bischoff, der im ganzen Landkreis vernetzt zu sein scheint und der trotz seines Alters noch viel vorhat.
Zusammen mit Oliver Laufer will er das Wärmespeichersystem von der Musterphase zur Serienreife bringen und dann – perspektivisch – sogar im industriellen Maßstab bauen lassen. Ein Gelände, auf dem das geht, hat Elmü schon: In Großengottern hat das Unternehmen vor etwa 15 Jahren einen ersten kleinen Solarpark errichtet. Das Gelände gäbe den Platz für eine Fertigung her, sagt Bischoff und schaut damit zuversichtlich in die Zukunft.
Text, Fotos & Videos: Paul-Philipp Braun
Redaktion: Benjamin Voßler – Kommunikation und Interessensvertretung der Unternehmensförderung / IHK Erfurt