Integration ausländischer Fachkräfte in Thüringen zeigt, wie praxisnahe Ausbildung zur echten Perspektive wird – mit klarer Struktur und Unterstützung.
Muhammad Amir ist anders – und das fällt auf. Nicht nur, weil der junge Mann einen praktischen Beruf dem theoretischen Studium vorgezogen hat, sondern auch weil er in den Pausen häufig mit Kopfhörern anzutreffen ist. „Da höre ich dann deutsche Podcasts, das hilft mir, die Sprache besser zu lernen“, sagt er fast entschuldigend.
Dabei spricht Muhammed Amir wirklich gut deutsch. „Ich habe das in meiner Heimat in Pakistan schon gelernt und hier komme ich ohne die Sprache ja gar nicht weit“, sagt er und berichtet stolz, dass er inzwischen auf B2-Niveau die zugehörige Prüfung abgelegt hat. Doch kurz zurück zum Anfang, zu Muhammads persönlichem Anfang in Deutschland. 2022 kam der heute 26-Jährige aus dem pakistanischen Lahore nach Nordhausen. „Ich bin hergekommen, um hier etwas Technisches zu studieren“, erzählt Amir. Als Erster aus der Familie hatte Muhammad sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Seine Mutter und die Großmutter seien daher besonders stolz. Dass seine Schwester für ihren PhD ebenfalls nach Deutschland kommen könne, will er aktuell aber nicht ausschließen – immerhin schwärme er ihr von den hiesigen Möglichkeiten vor.
Wieso Muhammad Amir in Thüringen gelandet ist? Ausbildungsstandards und Studienmöglichkeiten, aber auch der hohe Lebensstandard hatten ihn überzeugt. Alternativen wären Großbritannien und die USA gewesen, dass es dennoch eine Ausbildung in Deutschland wurde, darüber freut Muhammad Amir sich heute besonders. Dass es hier keine Studiengebühren gibt, habe für seine Entscheidung eine zentrale Rolle gespielt.
Muhammad Amir vor dem Firmensitz von Feuer Powertrain in Nordhausen. Foto: Paul-Philipp Braun
Ausbildung statt Theorie
„Am Goethe-Institut habe ich dann die Sprache gelernt und mich auf das Land vorbereitet“, erinnert er sich. Am Staatlichen Studienkolleg der Hochschule Nordhausen habe er dann seine ersten Schritte im deutschen Hochschulsystem unternommen und einige Monate versucht, dem Unterricht beim Vorbereitungsstudium zu folgen. „Dabei habe ich aber auch gemerkt, dass ich etwas Praktisches machen will und keine fünf Jahre Theorie.“
Dann hat Muhammad Kontakt zur Industrie- und Handelskammer Erfurt aufgenommen. „Ich habe die einfach angeschrieben und gefragt, ob sie mich bei einer Stellensuche unterstützen können“, erinnert Muhammad Amir sich heute. Über das Regionalbüro der IHK in Nordhausen habe er dann einen Kontakt zu Andrea Köhler von der IHK Erfurt vom Service Internationale Fach- und Arbeitskräfte bekommen. Ab diesem Kontakt sei sein weiterer Weg einfach und gut unterstützt gewesen, erzählt Muhammad.
Gemeinsam auf Betriebssuche für den jungen Pakistani
Gemeinsam hätten die Projektverantwortlichen mit ihm nach passenden Betrieben gesucht, die Kontakte hergestellt und so eine Ausbildungsstelle vermittelt. „Trotzdem musste auch Muhammad Amir bei uns durch den Einstellungstest – so wie alle künftigen Azubis“, ergänzt Hanna Schatta, die als Personalerin bei Feuer Powertrain für die Ausbildung mitverantwortlich ist. Der Kurbelwellenhersteller habe hohe Ansprüche an seine Mitarbeitenden: „Trotzdem entscheidet bei uns eben nicht allein das Zeugnis, sondern die Bereitschaft zur Mitarbeit, ob jemand ins Team passt.“
Muhammad Amir arbeitet lieber praktisch statt theoretisch. Foto: Paul-Philipp Braun
Aus Pakistan ins Nordhäuser Team
Muhammad Amir passte ins Team, da waren sich die Verantwortlichen bei seinem Vorstellungsgespräch hingegen sicher. Zwei Jahre dauerte seine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik. „Das ist ein anspruchsvoller Beruf, aber er macht mir eben auch Spaß“, sagt Muhammad Amir. Die Lehre habe er mit einem guten Zeugnis abgeschlossen und arbeitet jetzt besonders motiviert in dem Nordhäuser Unternehmen. Dass dies so funktioniert, läge nicht nur an den guten Ausbildungsbedingungen – von der eigenen Azubiwerkstatt bis hin zur Förderung von Sprache und Integration – sondern vor allem an seinem Team am Arbeitsplatz. „Wir verstehen uns hier alle gut und ich komme gern her“, sagt der junge Mann und ergänzt, dass er sich perspektivisch zum Zerspanungsmechaniker qualifizieren wolle.
Auch der feste Tagesablauf mit klaren Schichten würde ihm guttun: „Da weiß man eben schon im Voraus, wie man seine Wochen planen kann.“ Ein weiterer Bonus, weshalb er sich in Nordhausen wohlfühlt, sieht Muhammad Amir aber auch in der ländlichen Umgebung der Stadt in Nordthüringen. „In Lahore gibt es viel Smog, gerade im Sommer ist alles voller Staub und Abgase. Hier ist alles grün und man kann wirklich durchatmen“, lacht Muhammad Amir. Dass er bei seiner Ankunft 2022 erst der zweite Pakistani in Nordhausen überhaupt gewesen sein soll, ist für ihn heute noch immer unfassbar: „Aber inzwischen fühle ich mich hier eh so wohl, dass ich einfach dazugehöre.“
Muhammad Amir (rechts) an der Werkbank. Foto: Paul-Philipp Braun
Service Internationale Fach- und Arbeitskräfte
Die IHK unterstützt und berät Mitgliedsunternehmen bei der Rekrutierung von ausländischem Personal. Unabhängig davon, ob Migranten sich noch im Heimatland befinden oder bereits in Deutschland sind. Die Zuwanderung von Menschen in den Thüringer Arbeitsmarkt ist ein wichtiger Bestandteil der Fachkräftesicherung.
Dazu gehören:
- Wissenstransfer zu Gewinnung und Onboarding internationaler Mitarbeitender
- Praktische Anleitungen für Integration und Positionierung als attraktiver Arbeitgeber
- Unterstützung bei Herausforderungen der globalen Talentakquise
Neue Webinar-Reihe „Integration gemeinsam meistern“
Muhammad Amirs Geschichte ist kein Einzelfall. Immer mehr Unternehmen in der Region stellen internationale Fachkräfte ein — und viele stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Wie läuft das beschleunigte Fachkräfteverfahren? Was muss bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse beachtet werden? Wie gelingt ein gutes Onboarding, wenn die Sprache noch nicht perfekt ist?
Um Unternehmen bei diesen Fragen zu unterstützen, hat die IHK Erfurt im März 2025 die Webinar-Reihe „Integration gemeinsam meistern“ gestartet. In zehn Online-Sitzungen beantworten Praktiker alle zentralen Fragen — von Visa-Verfahren über Sprachförderung bis hin zu interkultureller Kompetenz.
👉 Weitere Informationen: ihk.de/erfurt/fachkraefte/auslaendische-fachkraefte/webinarreihe‑integration‑gemeinsam‑meistern‑6470850