Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2021 zeigt: Weltweit wird nur etwas mehr als die Hälfte aller Abwässer behandelt und in den Wasserkreislauf zurückgeführt. Die rund 58.500 kommunalen Kläranlagen, die derzeit global im Einsatz sind, arbeiten vielerorts bereits am Limit. Verstärkt wird diese Herausforderung durch die Folgen des Klimawandels – anhaltende Hitze, Dürreperioden und schwindende Wasserressourcen führen zu einer spürbaren Wasserknappheit. Die Bedeutung effizienter Abwasseraufbereitung wächst stetig – nicht nur in Ländern des Globalen Südens, sondern auch hierzulande: Mitteldeutschland ist längst Teil dieser globalen Entwicklung.
Industrie verbraucht bis zu einem Drittel des deutschen Wassers
Neben privaten Haushalten zählt vor allem die Industrie zu den größten Wasserverbrauchern. Allein Produktion und Rohstoffgewinnung machen in Deutschland bis zu einem Drittel des Gesamtwasserbedarfs aus. Umso wichtiger ist es, industrielle Abwässer so aufzubereiten, dass sie problemlos wiederverwendet werden können. Genau hier setzt die WTA Unisol GmbH aus Gotha mit ihrem innovativen Mytex-System an. Die modular aufgebauten Membranen ermöglichen eine hocheffiziente Filtration im Mikro- und Ultrafiltrationsbereich – und sorgen so für klares, sauberes Wasser.
Geschäftsführer Carsten Bachert ist stolz auf das, was das Unternehmen in den vergangenen Jahren erreicht hat. „Wir sind Technologie-Weltmarktführer“, sagt er und berichtet, dass die Modul-Konstruktion der Membranen bisher einzigartig sei und von keinem Mitbewerber so umgesetzt werde. „Damit können wir auch auf einer kleinen Grundfläche eine wirklich große Filteranlage aufbauen“, schildert Bachert.
Modulwechsel in 30 Minuten statt stundenlanger Stillstand
Die hohe Effizienz des Systems basiert auf dem patentierten Stapelkonzept: Selbsttragende Membranblöcke lassen sich dabei bis zu sechs Meter hoch übereinanderschichten – platzsparend, modular und flexibel einsetzbar. Besonders beeindruckend ist die einfache Handhabung: Ohne Kran oder Spezialwerkzeuge können die Module installiert und gewartet werden. „Unsere Ingenieure können ein komplettes Modul in weniger als 30 Minuten austauschen“, erklärt Bachert. „Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber herkömmlichen Systemen, bei denen oft stundenlange Stillstandzeiten entstehen.“
Ein weiterer Meilenstein in der Unternehmensentwicklung war die Fusion mit Unisol Membrane Technology im Februar 2023. „Eins plus eins ist tatsächlich mehr als zwei geworden“, resümiert Bachert die Zusammenführung der beiden Unternehmen. „Die Produktbereiche ergänzen sich zu 100 Prozent, und durch die bereits bestehende zweijährige Kooperation konnten wir nahtlos zusammenwachsen.“ Die entstandene Synergie zeigt sich nicht nur in der erweiterten Produktpalette, sondern auch in der internationalen Marktpräsenz: Während WTA Technologies seine Stärken in Europa einbringt, verfügt Unisol über etablierte Standorte in Amerika, China und Indien, wie Bachert erläutert.
Vollautomatisierte Fertigung in Gotha
Ein besonderer Schwerpunkt der WTA Unisol GmbH liegt auf der nachhaltigen Ausrichtung ihrer Filtertechnologie. Das Unternehmen setzt gezielt auf PFAS-freie Membranen aus Polyethersulfon – eine umweltfreundliche Alternative zum bisher weit verbreiteten PVDF-Material. „Wir bereiten uns proaktiv auf das kommende PFAS-Verbot in Europa vor“, betont Bachert.
©IHK Erfurt / Paul-Philipp Braun
„Unsere Kunden erhalten damit nicht nur eine technologisch überlegene Lösung, sondern auch eine zukunftssichere Investition ohne die sogenannten Ewigkeitschemikalien.
Carsten Bachert Geschäftsführer WTA Unisol GmbH
Die Zahlen sprechen für sich: Mit einer jährlichen Produktionskapazität von über 250.000 Quadratmetern Membranfläche und einer vollautomatisierten Fertigung am Standort Gotha ist die WTA Unisol GmbH optimal auf die steigende Nachfrage nach innovativen Membranlösungen vorbereitet. Das Unternehmen beliefert ein breites Anwendungsspektrum – von kommunalen Kläranlagen über die industrielle Prozesswasseraufbereitung bis hin zu anspruchsvollen Hightech-Bereichen wie der Halbleiter- und Pharmaindustrie.
Thüringer Innovationskraft sucht mehr Aufmerksamkeit
Mit ihrer innovativen Filtertechnologie aus Thüringen bewirbt sich die WTA Unisol GmbH um den diesjährigen Zukunftspreis der Industrie- und Handelskammer Erfurt. Die stapelbare Membran-Technologie wurde bereits mit dem Thüringer Stift-Innovationspreis 2020 und dem Thex-Award ausgezeichnet – der IHK-Zukunftspreis wäre ein weiterer bedeutender Meilenstein. „Wir erhoffen uns davon vor allem eine steigende mediale Reichweite“, erläutert Carsten Bachert und betont, dass die Zahl der Thüringer Unternehmen, die derzeit schon auf die Filtertechnik aus Gotha setzen, noch recht gering sei.
Mehr zum Zukunftspreis
Weitere Informationen rund um den Zukunftspreis der IHK Erfurt und HWK Erfurt – inklusive Teilnahmebedingungen und Bewerbungsmöglichkeiten – finden Sie hier.
Text, Bildmaterial und Redaktion: Paul-Philipp Braun
Bearbeitung & Veröffentlichung: Randi Hofmann (Kommunikation und Interessenvertretung – IHK Erfurt)