Prüfendes Ehrenamt: Eine Säule der IHK Erfurt

Gemeinschaft gestalten – Verantwortung übernehmen
Hand setzt einen Holzbaustein mit Handschlag-Symbol zwischen Bausteine mit Personen-Icons.
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?

 

  • Blick hinter die Kulissen: Wie die IHK-Vollversammlung arbeitet und die Wirtschaft vertritt.
  • Gemeinsam stark: Warum Ehrenamt und Hauptamt sich ideal ergänzen.
  • Jetzt mitbestimmen: So können Unternehmen bei der IHK-Wahl 2025 Einfluss nehmen.

Es ist mir einfach ein Herzensanliegen,

Bernd Toepfer – Ehrenamtlicher Prüfer

beschreibt Bernd Toepfer seine Arbeit als ehrenamtlicher Prüfer in der Industrie- und Handelskammer Erfurt. Seit mehreren Jahren engagiert er sich in der IHK-Prüfungskommission für Kaufleute im Einzelhandel mit Schwerpunkt Schuhe. In der Schuhbranche hat Toepfer seine fachliche Heimat gefunden – ein Bereich, in dem er heute mit umfassendem Wissen und großem Einsatz prüft und ausbildet. 

Der Personal- und Vertriebsleiter der Leifer Schuhmode KG mit Hauptsitz in Emleben bei Gotha ist gelernter Kaufmann und Handelsfachwirt. Fast zwei Jahrzehnte arbeitete er zunächst in einem großen Baumarkt-Konzern, bevor er in das mittelständische Familienunternehmen wechselte. Dort ist er seit zehn Jahren Teil der Geschäftsleitung, bildet engagiert aus und bringt sein Know-how in verschiedene Prüfungsausschüsse ein. 

Zu jeder IHK-Prüfung erscheint Toepfer mit mehr als 25 Schuhkartons – von Herrensandalen über Sneaker bis zu Damenstiefeln aus aktuellen Kollektionen. Die Prüflinge müssen Schuhtypen erkennen, deren Aufbau erklären, Fragen von der Ledergerbung bis zur Schnürung beantworten, Reklamationen beurteilen und einfache Mathematikaufgaben lösen. Seine langjährige Erfahrung und die intensive Beschäftigung mit dem Thema Schuhe prägen seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Prüfer und sorgen für hochwertige, praxisnahe Prüfungen. 

Struktur und Aufgaben der Prüfungsausschüsse

Mit rund 2000 Mitgliedern bilden die Prüfenden die größte Ehrenamtsgruppe der IHK Erfurt. Sie engagieren sich in 215 Prüfungsausschüssen – von Automobilkaufleuten über Elektroniker bis zu Fachinformatikern. Die Ausschüsse setzen sich aus Expertinnen und Experten der jeweiligen Branchen zusammen, die zweimal jährlich die Sommer- bzw. Winterprüfungen der Azubis in über 130 Ausbildungsberufen innerhalb der IHK Erfurt abnehmen. Dabei arbeiten engagierte Fachkräfte, Ausbildende, Meister und Unternehmer gemeinsam mit Berufsschul-Lehrkräften und IHK-Vertretungen zusammen. 

Neben der eigentlichen Prüfungstätigkeit investieren die Ehrenamtlichen Zeit in regelmäßige Beratungen, eigene Fortbildungen und das Engagement in ihren Betrieben. Ihr Fachwissen und ihre Praxiserfahrung gewährleisten dabei die hohe Qualität der dualen Berufsausbildung. Die Prüfenden bewerten nicht nur Leistungen, sondern begleiten die Auszubildenden auf ihrem Weg zur anerkannten beruflichen Qualifikation, mit Blick auf Fairness und Praxisnähe. Ohne ihre Arbeit gäbe es wohl keine verlässlichen Standards in der beruflichen Bildung. 

Grafik der IHK Erfurt: Mitglieder strömen in die IHK, Ehrenamt und Vollversammlung geben Impulse zurück in die Mitgliedschaft.
Ehrenamt & Vollversammlung der IHK Erfurt

Persönliches Engagement und betrieblicher Nutzen

Für die Prüfungen selbst ist Toepfer etwa drei bis vier Tage pro Sommer im Einsatz, meist in den Räumen der IHK in Erfurt. „Ich investiere die Zeit und den Aufwand sehr gern – nur so lässt sich der hohe Standard der dualen Ausbildung halten“, betont er. Das Engagement geht dabei über den reinen Prüfungsakt hinaus: „Die Tätigkeit von uns Prüfenden erhöht natürlich auch die Reputation für unsere Arbeitgeber und die Unternehmen, mit denen wir aktiv sind“, erklärt Toepfer. Die Prüfertätigkeit schaffe zudem ein wertvolles Netzwerk zu anderen Fachkräften und Betrieben, ermöglicht den Austausch über Branchen- und Unternehmensgrenzen hinweg und fördert die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Expertise sowie der Bewertungskompetenz. 

Bernd Toepfers Engagement zeigt sich auch in seinem Unternehmen, der Leifer Schuhmode KG. „Eine gute Ausbildung beginnt mit einer individuellen Einschätzung von Stärken und Schwächen, begleitet den jungen Menschen in einer herausfordernden Zeit voller Umstellungen und Chancen. Wir wollen selbst die bestmöglichen Umstände für sie schaffen“, sagt er und berichtet von fünf bis sieben Auszubildenden, die pro Jahr in dem mittelständischen Unternehmen beschäftigt sind.

Die Verbindung zwischen Prüfertätigkeit und betrieblicher Ausbildung schafft dabei Synergien: Toepfer vergleicht den Wissensstand der eigenen Auszubildenden, nutzt die Prüfungen und den Branchenvergleich also indirekt,um die Ausbildung im Haus sukzessive weiterzuentwickeln. Es sei einfacher eine gute Ausbildung aufzubauen als das erreichte Niveau auch langfristig zu halten. Er weiß, dass es nicht nur die Inhalte sind, die Azubis in ihrem Lehrbetrieb halten – oder auch nicht. „Das Umfeld macht enorm viel aus. Dazu gehört auch die Perspektive der Einzelnen“, sagt Toepfer und berichtet, dass Leifer mit dem Anspruch der Übernahme ausbilde. „Wir haben hier einige tolle Beispiele von Leuten, die erst bei uns gelernt haben und inzwischen eine solide Führungsfunktion im Unternehmen haben.“ 

Wandel im Einzelhandel als Herausforderung

Eine zentrale Herausforderung und Chance sieht Herr Toepfer in der gegenwärtigen Transformation des Einzelhandels, die auch die Ausbildung grundlegend verändert. Während früher der „klassische Schuhverkauf“ im Mittelpunkt stand, spielen heute digitale Kompetenzen und E-Commerce eine immer wichtigere Rolle. Die Prüfungsinhalte und die betriebliche Ausbildung müssen diesem Wandel Rechnung tragen. „Zugleich ist unsere Branche im direkten Verkauf inzwischen vielerorts überaltert, wir brauchen daher dringend junge Menschen, die im Einzelhandel arbeiten möchten“, analysiert Herr Toepfer die Situation.

Mittels gezielter Ausbildung und moderner Technik, die sowohl in den Betrieben als auch in den Prüfungen Anwendung findet, will die Branche sich diesen Herausforderungen stellen. Die Prüfenden spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie müssen nicht nur die traditionellen Inhalte abklopfen, sondern auch die neuen digitalen Kompetenzen in ihre Bewertung einbeziehen. Dieser Spagat zwischen Tradition und Innovation prägt zunehmend die Arbeit der Prüfungsausschüsse.

Unverzichtbare Brücke zwischen Wirtschaft und Ausbildung

Die Tätigkeit der Prüfenden wie Bernd Toepfer steht stellvertretend für das breite ehrenamtliche Engagement innerhalb der IHK Erfurt. Ihr Einsatz zeigt: Ehrenamt in der IHK ist vielfältig, praxisnah und wirksam. Die Prüfenden bilden die unverzichtbare Brücke zwischen Wirtschaft und Ausbildung. Sie kennen die Anforderungen der Betriebe aus erster Hand und sorgen dafür, dass die Auszubildenden diese erfüllen können. 

Ihr Engagement sichert Qualität und Akzeptanz des dualen Systems in Thüringen. Ohne die ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer würde ein zentraler Baustein der beruflichen Bildung fehlen. Sie garantieren, dass die Abschlüsse der dualen Ausbildung ihren hohen Stellenwert behalten und von der Wirtschaft anerkannt werden. Bernd Toepfers „Herzensanliegen“ ist damit weit mehr als persönliche Leidenschaft, es ist ein Beitrag zur Fachkräftesicherung in Thüringen. 

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Text und Redaktion: Paul-Philipp Braun
Bearbeitung & Veröffentlichung: Randi Hofmann (Kommunikation und Interessenvertretung – IHK Erfurt)

Illustration mit Thüringer Wahrzeichen, WiMa-Logo und IHK Erfurt
Grafische Darstellung mit IHK Erfurt und WiMa | © IHK Erfurt

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Mario Melle

Tel: 0361-3484171

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