Wer ausbildet, kann sich nicht nur seinen Fachkräftenachwuchs sichern. Wer die Augen offen hält, findet unter seinen Auszubildenden von heute manchmal sogar seine Führungskräfte von morgen – wenn er Menschen auf die für sie passenden Wege lenkt.
Talente erkennen – und gezielt fördern
Es passiert gar nicht mal so selten, dass sich schon relativ früh im Berufsleben eines jungen Menschen zeigt, ob aus ihm oder ihr vielleicht mal jemand wird, der andere mitreißen möchte – und das vielleicht sogar kann. Schon bei den ersten Projektarbeiten in Gruppen während einer Ausbildung zum Beispiel, sagt Thomas Heimann, gebe es immer wieder Situationen, in denen Einzelne sich als diejenigen herauskristallisieren, „die Dinge koordinieren, die Pläne machen, die andere anleiten.“
Nach den Erfahrungen, die der Leiter Ausbildung International bei WAGO gemacht hat, gilt es dann, auf solche jungen Menschen besonders gut aufzupassen, sie immer weiter, in immer komplexere Projekte einzubinden – auch schon während der Ausbildung. „Und dann nimmt das Ganze seinen Lauf,“ sagt Heimann.
So wie bei Marcel Matzschke, den Heimann vor etwa 15 Jahren als jemanden ausgemacht hatte, von dem er sich sicher war, dass er gute Chancen haben würde, sich am WAGO-Standort in Sondershausen zu einer Führungskraft zu entwickeln.
„Die Werkleitung und ich haben uns damals tief in die Augen geschaut und haben uns gesagt: Das ist doch jetzt mal die Gelegenheit, so einen jungen Wilden mal zu fördern.“
– Thomas Heimann, WAGO
Heute ist klar: Es hat geklappt. Matzschke ist heute Ausbildungsleiter in dem Werk jenes Unternehmens, das nicht nur für die WAGO-Klemme weltberühmt ist, sondern auch verschiedenste andere Produkte aus dem Bereich der Elektrotechnik im Angebot hat. Weltweit beschäftigt WAGO rund 9.000 Menschen, davon etwa 1.000 in Sondershausen, Thüringen. Unter ihnen: etwa 60 Auszubildende, darunter angehende Mechatroniker und Werkzeugmechaniker.
Ich habe früher schon immer rumgetüftelt, an Mopeds, an Motorrädern.
Marcel Matzschke, WAGO
Im Jahr 2000 absolvierte er ein erstes Praktikum bei WAGO. Ein Jahr später bewarb er sich erfolgreich um einen Ausbildungsplatz. „Ziemlich unspektakulär“ sei sein Berufseinstieg gewesen, sagt er.
Marcel Matzschke in der Ausbildungswerkstatt © Michael Reichel / IHK Erfurt
Marcel Matzschkes Karriereweg bei WAGO
2000: Schülerpraktikum bei WAGO
2001: Ausbildung zum Werkzeugmechaniker
2009: Meisterausbildung + Ausbildereignung abgeschlossen
2011: Leiter technische Ausbildung
Heute: Ausbildungsleiter am Standort Sondershausen
Karriere mit Ausbildung: Technisch, handwerklich – erfolgreich
Die Möglichkeit, aus Auszubildenden nicht nur Fachkräfte, sondern später sogar Führungskräfte zu machen, wird oft unterschätzt. Gerade in der Diskussion um duale Ausbildung in Thüringen gehe häufig unter, welches Entwicklungspotenzial in ihr steckt.
„Entscheidend ist, für den richtigen Menschen, zum richtigen Zeitpunkt, den richtigen Weg zu wählen.“
– Thomas Heimann
Es gehe nicht um ein Gegeneinander von dualer und akademischer Ausbildung, sondern um die Anerkennung aller Bildungswege als gleichwertig.
„Alle sind Zacken auf dem Zahnrad – und das ist dann vollkommen egal, ob jemand ein Maschinen- und Anlagenführer ist oder ein Student der Elektrotechnik: Wenn eine Zacke fehlt, läuft es nicht rund.“
– Thomas Heimann
Rolle der Ausbilder
Ausbilder sind Karrieremanager.
Wer gezielt fördert, prägt nicht nur Fachkräfte, sondern oft auch die nächste Führungsebene im Unternehmen.
Marcel Matzschke mit Auszubildenden im Gespräch © Michael Reichel / IHK Erfurt
Für Unternehmen bedeutet das: Der Blick nach innen lohnt sich. Führungskräfte können auch aus der eigenen Belegschaft hervorgehen – selbst ohne akademische Titel.
👉 Gerade für kleine und mittlere Unternehmen in Thüringen bietet dieser Ansatz eine echte Perspektive. Die IHK Erfurt begleitet Betriebe bei der Ausbildung, Qualifizierung und langfristigen Bindung von Fachkräften – kompetent, praxisnah und regional verankert.
Und für Auszubildende gilt: Verantwortung übernehmen lohnt sich – auch ohne Hochschulabschluss.
Aufstieg braucht Vertrauen – nicht nur Abschlüsse
Matzschkes Karriereweg zeigt: Auch ohne Universität lässt sich ein Aufstieg verwirklichen. Nach seiner Ausbildung absolvierte er eine Meisterausbildung in Metalltechnik und erlangte die Ausbildereignung. 2009 war er damit fertig. Anschließend arbeitete er in der Werkzeugentwicklung bei WAGO.
„Ich habe damals Werkzeuge gebaut von der Nullserie bis zur Serienfertigung.“
– Marcel Matzschke
2010 lernte er Heimann kennen – und überzeugte ihn. 2011 wurde er Leiter der technischen Ausbildung, später übernahm er die Gesamtverantwortung.
„Er war jemand, der gerne etwas vorantreiben wollte, aber der auch immer teamfähig war.“
– Thomas Heimann
Dass Matzschke seine eigene Ausbildung bei WAGO absolviert hatte, erwies sich als großer Vorteil:„Das war mega hilfreich – dadurch hatte er eine hohe Akzeptanz im Werk.“
Erfolg durch Begleitung und den richtigen Moment
Karrieren müssen begleitet werden. Als Matzschke die neue Position übernahm, war Heimann regelmäßig in Sondershausen präsent:
„Ich war mindestens alle vierzehn Tage dort, und wir haben diesen Prozess ganz eng zusammen gestaltet.“
– Thomas Heimann
Natürlich braucht es auch ein Quäntchen Glück: Die passende Stelle zur passenden Zeit – und ein Umfeld, das Entwicklung ermöglicht.
Doch bei Matzschke hat es geklappt. Er ist der Beweis dafür, dass Ausbildung allein reichen kann – wenn Förderung, Vertrauen und Timing zusammenkommen.
Auf einen Blick – Karriere durch Ausbildung
✔ Talente frühzeitig erkennen
✔ Verantwortung schrittweise übertragen
✔ Weiterbildung gezielt fördern
Fachliche Anleitung in der Ausbildung bei WAGO © Michael Reichel / IHK Erfurt
Heute hat Marcel Matzschke bereits rund 400 junge Menschen durch ihre Ausbildung bei WAGO begleitet – ein starkes Beispiel für Karriere durch Ausbildung in Thüringen.
👉 Solche Laufbahnen zeigen, wie wichtig es ist, individuelle Potenziale frühzeitig zu erkennen – und gezielt zu begleiten. Die IHK Erfurt ist dabei ein verlässlicher Partner der Wirtschaft – von der Ausbildungsberatung bis zur strategischen Personalentwicklung.
Ausbildung mit Zukunft in der Region
Bei WAGO in Sondershausen ist die Ausbildung fest in die betrieblichen Abläufe integriert. Junge Menschen lernen früh, wie Prozesse im Unternehmen funktionieren – und werden schrittweise an Verantwortung herangeführt. Die Ausbildung zielt dabei nicht nur auf Fachkompetenz, sondern auch auf langfristige Bindung.
Wer sich bewährt, dem stehen echte Entwicklungsperspektiven offen – direkt in der Region. Angebote wie Bike-Leasing oder die Unterstützung bei der Altersvorsorge ergänzen das betriebliche Umfeld.
Viele Fach- und Führungskräfte am Standort haben ihre Laufbahn mit einer Ausbildung bei WAGO begonnen – und sind geblieben.
Mehr Informationen zur Ausbildung und Beratung: Ausbildung / Umschulung – IHK Erfurt
Text und Redaktion: Dr. Sebastian Haak
Bildmaterial: Michael Reichel
Bearbeitung & Veröffentlichung: Randi Hofmann (Kommunikation und Interessenvertretung – IHK Erfurt)