Vom Schulpraktikum zum Traumjob: Wie die Galvanotechnik GmbH eigene Fachkräfte aufbaut

Geschäftsführer im Qualitätsgespräch in der Galvanotechnik GmbH © IHK Erfurt / Michael Hesse
Der Geschäftsführer der Galvanotechnik GmbH begutachtet gemeinsam mit einer Fachkraft Metallbauteile an einem Werkstückträger in der Produktion
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Best-Practice aus Thüringen – wie ein Unternehmen langfristig Fachkräfte sichert.

  • Einblicke in die Ausbildung – durch echte Stimmen aus dem Betrieb und praktische Beispiele.

  • Verständlich & authentisch – vermittelt, warum duale Ausbildung ein Zukunftsmodell ist – für Jugendliche wie für Unternehmen.

Die Galvanotechnik Jens Holzapfel GmbH baut auf eigene Azubis: Seit den neunziger Jahren setzt Jens Holzapfel auf das duale Ausbildungssystem – für viele Betriebe der Königsweg der Fachkräfteentwicklung. Und in der Galvanotechnik GmbH in Georgenthal trifft das zu 100 Prozent zu.

Was ist Galvanotechnik?

Galvanotechnik bezeichnet Verfahren zur elektrochemischen Beschichtung von Metallteilen – z. B. mit Zink, Nickel oder Chrom. Ziel: Korrosionsschutz, Optik oder spezielle Oberflächeneigenschaften.

Die einst volkseigene Galvanik Georgenthal entwickelte Jens Holzapfel kurz nach der Wiedervereinigung erfolgreich zu einem mittelständischen Unternehmen. 1992 startete der Hesse, der sich heute als Thüringer fühlt, mit 14 Mitarbeitenden. Und gleich von Anfang an hatte Holzapfel auf den eigenen Nachwuchs gesetzt. Mittlerweile ist fast jeder vierte Beschäftigte ein Eigengewächs. Die selbst ausgebildeten Mitarbeitenden arbeiten in der Verwaltung, im Lager und in der Oberflächenveredelung.

In Georgenthal im Landkreis Gotha werden unter anderem Produkte für die Automobilindustrie wie Teile des Gurtstraffers oder das Schloss für Hecktüren oberflächenbeschichtet. In den letzten Jahren ist das mittelständische Unternehmen kontinuierlich gewachsen – Kunden kommen unter anderem aus Deutschland, Europa und den Vereinigten Staaten. Heute arbeiten in der Galvanotechnik GmbH rund 100 Beschäftigte.

Regionale Relevanz – Wirtschaftsstandort Georgenthal

Die Gemeinde Georgenthal liegt im Landkreis Gotha in Thüringen – einer Region mit starker industrieller Tradition und modernen Ausbildungsbetrieben im technischen Bereich.


Warum eigene Auszubildende? Unternehmer erklärt Vorteile der dualen Ausbildung

Ich sehe da mehrere Faktoren: Man lernt die jungen Menschen schon frühzeitig kennen und kann sie noch formen. Und es macht auch Spaß, einfach zu sehen, wie sie sich entwickeln. Viele kommen mit 16 Jahren nach dem Abschluss der 10. Klasse zu uns. Nach einigen Jahren spürt man, wie sie sich entwickelt haben – da liegen dann Welten dazwischen.

Jens Holzapfel, Geschäftsführer der Galvanotechnik GmbH in Georgenthal

Azubi-Einblick: Lena H. lernt Oberflächenbeschichtung von Grund auf

Zu den aktuell insgesamt sechs Auszubildenden der Galvanotechnik GmbH in Georgenthal zählt Lena H. aus Gotha. Sie befindet sich gerade im zweiten Ausbildungsjahr ihrer dualen Ausbildung zur Oberflächenbeschichterin. Dabei erlernt sie Techniken und Methoden, um Oberflächen von Stahl oder Aluminium zu beschichten und zu versiegeln.

Auszubildende in Arbeitskleidung prüft ein grünes Haltegestell in einer Werkhalle der Galvanotechnik GmbH

Das macht schon Spaß. Meine Klassenkameraden kommen aus allen Teilen Deutschlands. Da bekomme ich einen ganz guten Überblick, was sie in den anderen Galvaniken alles machen. Eine Klassenkameradin beispielsweise behandelt Leiterplatten, manch andere feuerverzinken oder emaillieren Stahl – echt interessant. All das weitet meinen Blick auf meinen künftigen Beruf.

Auszubildende Lena H.

Beruf Fachkraft für Oberflächenbeschichtung

Fachkräfte für Oberflächenbeschichtung veredeln Metallteile durch galvanische Verfahren. Sie arbeiten mit Chemikalien, überwachen automatisierte Anlagen und sorgen für einwandfreie Beschichtungen – z. B. in der Automobil-, Medizin- oder Luftfahrttechnik.


Praxisnaher Unterricht – so funktioniert duale Ausbildung

Auszubildende prüft galvanisierte Bauteile.

Die Ausbildung verläuft im Wechsel zwischen praktischen Phasen im Betrieb und dem Berufsschulunterricht in Baden-Württemberg. Vermittelt wird das theoretische Wissen an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd – einer der führenden Einrichtungen für Oberflächentechnik in Deutschland. Rund 2.000 Lernende werden dort in Bereichen wie Metalltechnik, KFZ-Technik und Oberflächenveredelung unterrichtet. Für jeweils zwei bis vier Wochen ist Lena dort am Stück vor Ort und profitiert vom praxisnahen Unterricht. Ein positiver Nebeneffekt: Auch Mathematik und Chemie, die ihr früher nicht besonders lagen, machen ihr inzwischen richtig Spaß.

Auf dem Lehrplan stehen unter anderem galvanische Verfahren wie Verzinken, Vernickeln oder Passivieren. Für ihre Arbeit erhält sie eine monatliche Vergütung von 750 Euro – damit kommt sie nach eigener Aussage gut zurecht. Zusätzlich übernimmt das Unternehmen die Kosten für das Wohnheim sowie die Anreise nach Schwäbisch Gmünd.

Lena H. bei der Sichtkontrolle in der Fertigung. © IHK Erfurt / Michael Hesse

Schulpraktikum als Berufseinstieg: Wie Lena zur Galvanotechnik kam

In Georgenthal kann Lena das in Schwäbisch Gmünd Erlernte direkt anwenden. Sie ist in alle Arbeitsprozesse des Unternehmens eingebunden. Der Funke sprang bereits bei einem Schulpraktikum über. Damals konnte Lena in alle Bereiche hineinschnuppern – das Miteinander im Team überzeugte sie. Kurz darauf bewarb sie sich um einen Ausbildungsplatz.


Auszubildende dringend gesucht – auch bei der Galvanotechnik GmbH

Jens Holzapfel besucht regelmäßig Ausbildungsmessen in Gotha und Ohrdruf. Auch Schulpraktika bleiben ein wichtiges Element zur Nachwuchsgewinnung.

Doch: Auch er spürt den Azubi-Mangel. Für 2024 konnte noch niemand für die Ausbildung zur Oberflächenbeschichtung gewonnen werden.

Ausbildungsmarkt Thüringen

In Nord-, Mittel- und Westthüringen suchen rund 50 % der Ausbildungsbetriebe händeringend nach Nachwuchskräften – vor allem in technischen Berufen wie Metall, Elektronik und Oberflächenbeschichtung.


Warum das duale System so wertvoll ist

Für Betriebe ist die duale Ausbildung der Königsweg der Fachkräfteentwicklung. Das duale Ausbildungssystem wird weltweit geachtet – ist es doch die Grundlage für die deutsche Wirtschaftsstärke – umfassend, qualitativ hochwertig und nach einheitlichen Standards werden Fachkräfte ausgebildet.

Thomas Fahlbusch, Abteilungsleiter für Aus– und Weiterbildung der IHK Erfurt

Über 2.000 Unternehmen in Mittel-, Nord- und Westthüringen bilden aus. Zwei Drittel aller Ausbildungsverträge in Thüringen entfallen auf diese Branchen. Über 15.500 junge Menschen absolvieren derzeit eine duale Ausbildung. Seit 1990 haben rund 400.000 Personen in Industrie, Handel oder Dienstleistung ihren Abschluss gemacht. Die Galvanotechnik GmbH ist Teil dieses Erfolgsmodells.


Ausbildung mit Perspektive in der Region

„Ausbildung im eigenen Betrieb ist extrem wichtig. So lernen die jungen Menschen von Anfang an die Abläufe im Unternehmen kennen. Klar, jeder Betrieb hat sein eigenes System. Und künftigen Mitarbeitenden bieten wir einen Job mit Perspektive in der Region. Mein Unternehmen unterstützt zudem eine private Rentenvorsorge oder Bike-Leasing.“ – Jens Holzapfel, Geschäftsführer der Galvanotechnik GmbH

Lena H. will ihre Ausbildung 2026 abschließen – und ihre berufliche Zukunft sieht sie ganz klar bei der Galvanotechnik GmbH in Georgenthal.

Mehr Informationen zur Ausbildung und Beratung: ⁣Ausbildung / Umschulung – IHK Erfurt


Text, Bildmaterial und Redaktion: Michael Hesse
Bearbeitung & Veröffentlichung: Randi Hofmann (Kommunikation und Interessenvertretung – IHK Erfurt)

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Thomas Fahlbusch

Thomas Fahlbusch

Tel: 0361-3484160

E-Mail: fahlbusch@erfurt.ihk.de

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