TMP in Bad Langensalza: Wo aus Abiturienten Industriekaufleute werden

Cheyenne Aurin und Steffen Schubert von TMP in Bad Langensalza. © IHK Erfurt / Paul-Philipp Braun
Eine Frau und ein Mann stehen nebeneinander in einer Produktionshalle. Vor ihnen liegt ein Fenster.
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Erfahren Sie, warum eine Ausbildung auch nach dem Abitur der richtige Weg sein kann.
  • Lesen Sie, wie TMP in Bad Langensalza Nachwuchskräfte praxisnah auf das Berufsleben vorbereitet.
  • Entdecken Sie, weshalb das Unternehmen zum festen IHK-Prüfungsstandort werden soll.

Bei der TMP Fenster + Türen GmbH in Bad Langensalza hat Cheyenne Aurin ihre Ausbildung abgeschlossen und steigt direkt selbst in die Nachwuchsförderung ein. Das direkt nach der Wende gegründete Unternehmen gilt heute als Leuchtturm der Westthüringer Region und etabliert sich zugleich als fester Prüfungsstandort der IHK Erfurt.

Manche Geschichte einer Ausbildung ist ganz einfach: Schulabschluss, Bewerbung, Ausbildung, Übernahme in den Betrieb. Cheyenne Aurin aus Gräfentonna könnte genau eine solche Geschichte erzählen. Und doch hat die heute 21-Jährige mehr zu sagen. Es beginnt am Gymnasium in Bad Langensalza, wo sie 2023 ihr Abitur abgelegt hat. „Man hat uns immer wieder gesagt, wir sollten nach dem Abi alle studieren gehen“, sagt Cheyenne Aurin. Noch während des Abschlusses hatte sie sich daher Gedanken gemacht, welches der rund 23 000 in Deutschland angebotenen Studienfächer am besten zu ihr passt. „Keins so richtig“, sagt Aurin heute und berichtet vom Weitergang ihres Weges.

Der führte sie nämlich über zwei Bewerbungsgespräche zu TMP und damit zur Lehre als Industriekauffrau. „Das war genau das, was ich machen wollte und mein gutes Matheabi hat da auch ein wenig mit reingespielt“, erzählt Cheyenne Aurin. Es ist der Tag vor ihrer Abschlussprüfung, an dem sie sich ein wenig Zeit für das Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin der IHK Erfurt genommen hat. Keine 24 Stunden später wird sie sich offiziell als ausgebildete Industriekauffrau bezeichnen dürfen. Die Prüfung findet für Cheyenne Aurin in bekannten Gefilden statt: im Beratungsraum Rosengarten ihres Ausbildungsbetriebs.

Ein Prüfungsstandort mit Vorbildcharakter

Sandra Born ist im Bereich der Aus- und Weiterbildung bei der IHK Erfurt tätig. Auch sie ist am Tag vor Cheyennes Abschlussprüfung bei dem Betrieb in Bad Langensalza zu Gast. „Ich besuche die Kommission für die mündliche Prüfung der Industriekaufleute und informiere mich über die hiesigen Gegebenheiten“, sagt Born und ergänzt, dass der Fenster- und Türenhersteller mit seinen großzügigen und modern ausgestatteten Räumlichkeiten eine ideale Prüfungsumgebung für die Prüflinge bietet. „Daher wollen wir das Unternehmen im Unstrut-Hainich-Kreis als festen Standort für die Abnahme der Prüfungen etablieren.“

Vom LPG-Gelände zum Leuchtturm der Region

Und in der Tat: Nicht nur die Bedingungen für Prüflinge sind bei TMP ideal, auch das Unternehmen selbst hat eine Art Leuchtturm-Charakter für die Westthüringer Region. Bereits 1990 auf dem Gelände einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründet, spezialisierte es sich auf die Ver- und Bearbeitung von Kunststoff, einige Jahre später kam Aluminium als Werkstoff hinzu. Das im Innenhof befindliche Plastiken-Ensemble mit Schweinen, Schafen und Ziegenböcken erzählt noch die Geschichte des einstigen Landwirtschaftsbetriebs. „Das hier war im Übrigen die erste LPG in der DDR“, sagt Cornelia Fischer. Sie ist seit Anbeginn im TMP-Team, ist heute als Prokuristin und Leiterin der Buchhaltung zuständig und hat vor ihrem Studium selbst den Beruf des Wirtschaftskaufmanns erlernt. „Das war für mich immer eine gute Grundlage. So wie es heute die Industriekaufleute sind. Was man aber dann aus der Grundlage macht, dafür sind alle selbst verantwortlich“, sagt Fischer.

Bei der TMP Fenster + Türen GmbH sind die Möglichkeiten, sich einzubringen, vielfältig. Rund 250 Mitarbeitende sind an den verschiedenen Standorten in ganz Deutschland tätig. Jährlich produzieren sie gut 100 000 Fenster und Türen, arbeiten dafür vor allem mit Großabnehmern wie Fertighaus-Herstellern oder Architekturbüros zusammen. „Aber wir haben auch ein Endkunden-Geschäft. An unseren Standorten können sich etwa die privaten Bauherren genau ansehen, was es gibt, und entscheiden, was sie möchten“, sagt Cornelia Fischer. Ein weitläufiges Netzwerk von Subunternehmern und verschiedenen Vertriebskanälen ermöglicht darüber hinaus, auch den überregionalen Markt zu bedienen. Kooperationen wie mit dem Haus-Bauer Town und Country oder die Unternehmensbeteiligung an der Neumann Bauelemente GmbH in Kranichfeld würden einen breiten Angebotsradius absichern, erklärt Cornelia Fischer.

Nachwuchs aus den eigenen Reihen

Wer so viel anzubieten hat, braucht gutes Personal. Genau das bildet das Unternehmen selbst aus. Derzeit lernen acht Auszubildende und zwei duale Studierende bei TMP in Bad Langensalza. Sie werden Industriekaufleute, Fachkräfte für Metalltechnik oder Fachlageristen. Es sei eigentlich immer Bedarf an Nachwuchs, sagt Cornelia Fischer und ergänzt, dass es Cheyenne Aurin sei, die nach dem Prüfungsabschluss selbst mit in die Ausbildung einsteigen werde. „Ich werde zunächst die Koordination des Prozess-Kennenlernens übernehmen“, sagt Aurin und stellt damit eine Besonderheit der TMP Fenster + Türen GmbH heraus. Denn alle Auszubildenden, unabhängig vom eigenen Schwerpunkt, lernen jeden Bereich des Betriebs kennen und probieren sich überall aus, auch in der Produktion. „Das hat mir sehr dabei geholfen, Abläufe zu verstehen und in der Berufsschule das Praxiswissen mit der Theorie zu verknüpfen“, sagt Cheyenne Aurin.

Dieses Wissen dürfte ihr nicht nur bei der mündlichen Abschlussprüfung am Tag nach dem Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin helfen, sondern auch danach, wenn sie selbst neue Auszubildende durch den Betrieb begleitet.

Text, Fotos & Videos: Paul-Philipp Braun
Bearbeitung & Redaktion: Sophia Schrock

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Tobias Krombholz

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