„Wir erleben einen enorm schnellen Transformationsprozess“

©arifoto.com/Michael Reichel/Elisabeth Kupfer, City Managerin in der Innenstadt von Gotha.
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Der Erhalt von attraktiven Innenstädten bedeutet permanente Veränderung.
  • Lesen Sie, wie Citymanager betroffenen Händlern und Gastronomen als Prozessbegleiter helfen.
  • Auch die IHK Erfurt unterstützt Unternehmen bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen.

Dass die Folgen der Corona-Pandemie den Druck auf die Innenstädte noch einmal erhöht haben, ist offensichtlich. Während ungezählte große und kleine Händler und Gastronomen zwischen 2020 und 2022 nur sehr eingeschränkt oder gar nicht öffnen konnten, hat der Online-Handel mit Kleidung, Elektronik und selbst Lebensmitteln in diesen Jahren wie nie zuvor geboomt – und damit das Verhalten mancher Kunden und Gäste nachhaltig verändert. Das macht die Arbeit von Citymanagerinnen wie Patricia Stepputtis und Elisabeth Kupfer, nur umso wichtiger. Sie sollen alle, die in Innenstädten arbeiten oder arbeiten wollen, unterstützen sich an den Wandel anzupassen, den dieser Druck schon lange auslöst.

Mut zur Veränderung

Mit welch großen Unsicherheiten dieser Wandel verbunden ist, erleben beide Frauen jeden Tag. „Wir erleben einen enorm schnellen Transformationsprozess“, sagt Stepputtis, die in Erfurt tätig ist. „Der macht vielen Beteiligten natürlich Angst.“

Kupfer, die in Gotha arbeitet, spricht lange davon, dass es viel „Mut“ brauche, um sich auf diesen Wandel einzulassen – und dass klar ist, dass nicht jeder der heute ein kleines Geschäft in Innenstadtlage hat, diesen Wandel auch mitmachen wird. Wer, sagt sie, beispielsweise kurz davor sei, in den Ruhestand zu gehen, der sei in der Regel weit weniger bereit, seinen Laden noch einmal völlig neu aufzustellen als jemand, der sich gerade mit einer Geschäftsidee in einer Innenstadt selbstständig mache. Auch solche, oft jüngere Menschen, müssten sich allerdings bewusst sein, dass sie sich immerfort verändern müssten, was ihnen oft auch schwer falle.

„Wenn man einen Laden aufmacht, dann hat man ja eine bestimmte Idee, über die man lange nachgedacht hat“, sagt Kupfer. Diese Idee immer wieder zu modifizieren, vielleicht auch schon nach kurzer Zeit, das erfordere „richtig viel Mut“.

Dabei, sagen sowohl Stepputtis als auch Kupfer, gelte es langfristig zu denken, sich aber erreichbare Zwischenziele zu setzen. „Für mich ist es wichtig in Zweijahresschritten zu denken“, sagt Stepputtis. Um zu testen, was in einer bestimmten Innenstadt funktioniere und was nicht, setze sie vor allem auf Pilotprojekte. „Workshops sind jetzt nicht so meine Philosophie.“ Dass bei solchen Pilotprojekten Dinge auch mal schief gingen, sei völlig in Ordnung.

Wir sollten wirklich keine Angst haben vor Fehlern, Fehler auch zulassen. Was soll passieren?

– Patricia Stepputtis, Citymanagerin der Stadt Erfurt

Gemeinsames Handeln für starke Innenstädte

Kupfer sagt, um Veränderungen an und in Innenstädten umzusetzen, „dafür braucht es einen langen Atem“ – und Netzwerke, eine Gemeinschaft aus Händlern, Gastronomen und allen anderen, die in Innenstädten aktiv seien oder sein wollten. Innenstadt könne nur gemeinsam und nicht gegeneinander funktionieren, was ein Ansatz ist, den auch die Teamleiterin Standort und Branchen der Industrie- und Handelskammer Erfurt, Susanne Sturm, unterstreicht. Der große Wandel der Innenstädte könne dort harmonisch gelingen, wo sich möglichst viele Partner an einen Tisch setzen, auch wenn sie ganz unterschiedliche Interessen hätten.

Zur Moderation kann es auch sinnvoll sein, sich externen Sachverstand mit ins Boot zu holen.

– Susanne Sturm, Teamleiterin Standort und Branchen der IHK Erfurt

Eine solche, moderierende Funktion fällt regelmäßig auch Citymanagern zu, über die Stepputtis sagt: „Wir sind keine Problemlöser. Wir sind Prozessbegleiter.

Aus Sicht Kupfers ist es zudem wichtig, dass die politischen Rahmenbedingungen zur Entwicklung von Innenstädten noch verbessert werden. Es brauche deutlich mehr Fördergeld als bislang, um zum Beispiel in leerstehenden Ladenflächen Fenster, Lampen und Fußböden zu sanieren. „Wir haben bei vielen Flächen einen Sanierungsstau von mindestens zwanzig Jahren“, sagt sie. „So was mietet heute niemand mehr.“ Zwar gebe es bereits einzelne Förderprogramme, die genau bei diesem Problem ansetzten, doch die gingen oft nicht weit genug.

Die während der Pandemie oft verwaisten Innenstädte haben immerhin vielen Kunden und auch politisch Verantwortlichen klar gemacht, auf wie viel Lebensqualität sie verzichten müssen, wenn sie dort nicht von Schaufenster zu Schaufenster bummeln oder einen Kaffee trinken können.

Autor: Sebastian Haak

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