IHK-Konjunkturindex weiter auf Talfahrt

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Tablet mit Grafiken und Diagrammen und daneben Zettel und Stift.
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Der aktuelle Konjunkturklimaindex ist weiter auf Talfahrt – die Lage der Wirtschaft verschlechtert sich.
  • Die IHK Erfurt fordert dringende Entlastungsperspektiven für die hiesigen Unternehmen.
  • Lesen Sie, wie sich schwierige Rahmenbedingungen und unternehmerische Risiken auf die Investitionsabsichten der Unternehmen auswirken.

Das Geschäftsklima der Wirtschaft in Nord-, Mittel- und Westthüringen hat sich im Herbst 2023 weiter eingetrübt. Branchenübergreifend bewerten drei von vier Unternehmern die momentane Geschäftslage als gut bis befriedigend. Ein Viertel der Befragten spricht von einer schlechten Situation. Auch die Geschäftsprognosen fallen ungünstiger aus als zuletzt. So rechnen nur noch 11 Prozent der Firmeninhaber mit einer günstigeren Entwicklung (Frühjahr 2023: 19 Prozent), 44 Prozent sind pessimistisch und gehen von einer weiteren Verschlechterung der Lage aus (Frühjahr 2023: 30 Prozent). Im Ergebnis fällt der Konjunkturklimaindex, in dessen Berechnung die Beurteilung der aktuellen Lage und die Erwartungen für die kommenden Monate einfließen, um 16 Punkte im Vergleich zum Frühjahr 2023 und steht nun bei 84 Punkten. Und damit weiter unter dem langjährigen Durchschnitt von 105 Punkten.


Der aktuelle Konjunkturklimaindex der IHK Erfurt im Herbst 2023:

eine grafische Aufbereitung des Konjunkturklimaindex

Zahlreiche Risiken und schwache Investitionsabsichten

Die Liste der Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung wird immer länger. Ganz oben stehen aber nach wie vor die hohen Energiepreise. 76 Prozent der Unternehmer sehen darin eine Gefahr für die Konjunktur. Große Sorgen bereiten auch steigende Arbeitskosten. Fast zwei Drittel der Unternehmer (65 Prozent nach zuvor 61 Prozent) nennen sie als Geschäftsrisiko. Das ist ein neuer Höchststand seit Beginn der Risikoabfrage im Jahr 2012.


Ergebnis der Konjunkturumfrage:
Wo sehen Sie die größten Risiken bei der wirtschaftlichen Entwicklung Ihres Unternehmens in den kommenden 12 Monaten?  (Mehrfachnennungen möglich)


Die konjunkturellen Risiken und fehlende Planungssicherheit spiegeln sich in schwachen Investitionsabsichten wider. Wollten im Frühjahr 2023 noch 62 Prozent der Unternehmen ihr Budget ausweiten oder zumindest konstant halten, sind es aktuell nur noch 47 Prozent. Der Anteil derer, die ganz auf Investitionen verzichten, ist von 22 auf 27 Prozent gestiegen. Auch die Beschäftigungsplanungen fallen zurückhaltender aus. Knapp jeder Zehnte beabsichtigt Neueinstellungen. Dem gegenüber stehen 20 Prozent, die Stellenkürzungen vornehmen müssen.


Fazit der IHK-Hauptgeschäftsführerin

Portrait Dr. Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt

Die Perspektive für die Unternehmen und Beschäftigung am Wirtschaftsstandort sinkt weiterhin dramatisch. Es gibt aktuell keine Anzeichen, dass dieser Abwärtstrend wieder umkehrt. Hohe Energiepreise, Arbeits- und Materialkosten, immense und weiter steigende bürokratische Belastungen und ein wirtschaftlich schwieriges Umfeld belasten die Unternehmen weiterhin ungebremst. Wir brauchen ein schnelles Umdenken hin zu wirtschaftsfreundlicheren Rahmenbedingungen, bei dem es keine Denkverbote geben darf. Zuletzt durchgesetzte Überregulierungen, wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz oder das Hinweisgeberschutzgesetz, sind auf den Prüfstand zu stellen, damit Unternehmen wieder Luft holen können. Die Unternehmen brauchen eine klare Entlastungsperspektive für Sicherheit und Planbarkeit bei wichtigen Entscheidungen und Investitionen.

– Dr. Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt

Exkurs Industrie-Konjunktur

Aktuell bewegen sich die Industrieunternehmen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Die Auslastung der Produktionskapazität ist geringer als in den Vorumfragen. Nur noch 25 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle Geschäftslage mit gut (Frühjahr 2023: 39 Prozent). Dagegen sprechen 42 Prozent (Frühjahr 2023: 17 Prozent) von einer schlechten Situation.

Angesichts nachlassender Auftragseingänge sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland blickt die Branche unsicher in die Zukunft. Nur noch jeder Zehnte rechnet mit einer Verbesserung der Situation. Dagegen schauen 47 Prozent der Befragten pessimistisch auf die kommenden Monate (Frühjahr 2023: 29 Prozent).

Trotz der schwachen Auftragslage versuchen die Unternehmen einen Stellenabbau in Zeiten des Fach- und Arbeitskräftemangels zu vermeiden. Drei Viertel wollen ihren Personalbestand konstant halten oder sogar erhöhen. Allerdings kommen 26 Prozent um einen Stellenabbau nicht herum. Die schwierigen Rahmenbedingungen spiegeln sich auch in den Investitionsplanungen wider. Sie fallen zurückhaltender als in der vorhergehenden Umfrage aus. Lediglich jeder Zehnte will sein Budget erweitern. Fast die Hälfte der Befragten gibt weniger oder gar kein Geld für Investitionen aus.

Beim Blick auf die Geschäftsrisiken wird klar, dass Preissteigerungen bei Energie und Kraftstoffen (77 Prozent der Nennungen) sowie die Inlandsnachfrage (65 Prozent) die Unternehmen am meisten umtreiben. Die Inlandsnachfrage hat in der Risikoeinschätzung deutlich zugelegt und spielt bei den Industriebetrieben eine größere Rolle als in der regionalen Wirtschaft insgesamt (52 Prozent).

Ergebnis der Konjunkturumfrage:
Industrie: Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Geschäftslage Ihres Unternehmens?

Grafische Aufbereitung der Umfrageergebnisse zur gegenwärtigen Geschäftslage von Industrieunternehmen.

Ergebnis der Konjunkturumfrage:
Industrie: Mit welcher Entwicklung rechnen Sie für Ihr Unternehmen in den kommenden 12 Monaten?

Grafische Aufbereitung der Umfrageergebnisse zur zukünftigen Entwicklung von Industrieunternehmen.

Hintergrundinformationen zur Konjunkturumfrage

Die IHK Erfurt befragt dreimal pro Jahr (zum Jahresbeginn, im Frühjahr und im Herbst) rund 700 Unternehmen aus Nord-, Mittel- und Westthüringen der Branchen Industrie, Bau, Verkehrsgewerbe, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen zur aktuellen Geschäftslage sowie zu den Erwartungen und Plänen für die kommenden Monate. Die aktuellen Ergebnisse wurden zwischen dem 12. September und dem 4. Oktober 2023 erhoben. Die Rücklaufquote beläuft sich auf 35 Prozent.

Die ausführlichen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage sind der zugehörigen Anlage zu entnehmen.

Die Ergebnisse in der Übersicht:

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IHK-Experten:
Jana Pfalzgraf

Jana Pfalzgraf

Tel: 0361-3484217

E-Mail: pfalzgraf@erfurt.ihk.de

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