Nachhaltiges Wirtschaften – ein Weg, der sich lohnt

©Michael Hesse/Jung-Unternehmer Dorian Geibert baut in Weimar gerade sein Unternehmen auf und setzt auf erneuerbare Energien
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Dorian Geibert ist 24 Jahre alt und baut gerade sein eigenes Unternehmen auf.
  • Als Jung-Unternehmer ist er sich der Verantwortung bewusst, dabei möglichst nachhaltig und umweltfreundlich zu wirtschaften.
  • Lesen Sie, welchen Vor- und Nachteilen Geibert bei dem Versuch möglichst nachhaltig zu wirtschaften begegnet.

Der menschengemachte Klimawandel betrifft uns alle – die Kassiererin hinter der Plexiglasscheibe im Supermarkt, den Unternehmer in seinem lichtdurchfluteten Büro am Laptop. Das Ziel der deutschen Bundesregierung ist es, bis 2045 klimaneutral zu sein und damit den Green Deal der Europäischen Union schon fünf Jahre vorher umzusetzen. Doch um das zu erreichen, braucht es nicht nur viele Veränderungen in Politik und Wirtschaft, sondern auch ein neues Bewusstsein für die eigene Rolle im Klimawandel. Der Jung-Unternehmer Dorian Geibert ist sich seiner Verantwortung beim Aufbau eines Unternehmens bewusst und setzt daher von Beginn an auf erneuerbare Energien. Ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Ein Unternehmen bewusst nachhaltig aufbauen

Der 24-jährige Dorian Geibert ist gerade dabei, sein Unternehmen auf der grünen Wiese auf einer Fläche von 6.000 Quadratmetern im Weimarer Gewerbegebiet „Kromsdorfer Straße“ aufzubauen. Die 1.000 Quadratmeter große Halle steht bereits, die erste Maschine ist eingebaut: Eine 10 Jahre alte CNC-Fräsmaschine aus dem Waggonbau in Dessau – auf einer Industrieauktion gekauft. Dass sie gebraucht ist, stört Dorian Geibert nicht. Die Präzision der Fräsmaschine ist nach wie vor noch Stand der Technik. Immerhin hat er sie weit unter dem Listenpreis erworben. Und: Die Maschine bekommt bei ihm ein zweites Leben, das ist nachhaltig und schont die Umwelt. 

Jung-Unternehmer mit Vision

Mit 24 sein eigenes Unternehmen aufzubauen, ist nicht selbstverständlich. Schon während seines Maschinenbau-Studiums an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena hat Dorian Geibert Konstruktionen entworfen und umgesetzt. Während eines Praxissemesters bei einem Anlagenbauer in der Nähe von Apolda hat er vom Geschäftsführer persönliche Einblicke in das Tagesgeschäft eines Ingenieurs und Unternehmers erhalten. Mit einem „Einser“-Master in der Tasche, die Eintrittskarte in einen metallverarbeitenden Betrieb, hat der Absolvent bei der Aufbaubank vorgesprochen. Da die Auflagen hier sehr hoch sind, musste der studierte Maschinenbauer detailliert erklären, was er vorhat. „Solche Anträge sind furchtbar komplex. Speziell für jemanden, der noch nie damit zu tun hatte“, erzählt der junge Ingenieur.

Modernes Schweißen: einfache Bedienung und mehr Präzision

Schon als Jugendlicher hatte Dorian Geibert eine Garage gemietet, um darin an Metall zu arbeiten. Mittlerweile steht die Garage voll mit Schweißgeräten. Aus seiner Erfahrung heraus, dass Schweißen ein hohes Maß an Übung benötigt, entstand die Idee, durch eine Konstruktion ein gängiges Schweißverfahren zu vereinfachen – für Anfänger und Profis. So hat der 24-Jährige auf zwei eigene Entwicklungen, eine Plasma-Schneidvorrichtung und einen Schweiß-Draht-Vorschub, jeweils ein Patent angemeldet. Vorantreiben will der Ingenieur seine Idee zum Wolfram-Inertgas-Schweißen. Das erfordert hohes Geschick des Schweißers und lässt sich zudem nur sehr eingeschränkt automatisieren. Mit seiner entwickelten Draht-Vorschub-Vorrichtung kann der Schweißer beide Hände für den Nahtaufbau einsetzen. Dadurch wird die Schweißnaht präziser, sieht besser aus und kann einfacher erzeugt werden. „Ich habe wirklich oft am Schweißbrenner gestanden und überlegt, es muss doch einfacher gehen, diese Schweißnaht zu erzeugen.“ Zu der Draht-Vorschub-Vorrichtung gehören eine elektronische Steuer-Komponente und ein Rollenantrieb mit Motor, der den ein Millimeter starken Draht in einer definierten Geschwindigkeit vorwärtsschieben soll.

Digitale Zusammenarbeit für einen ökologischen Fußabdruck

Bei der Entwicklung der Elektronik arbeitet Dorian Geibert mit einer Elektrotechnikerin aus Pakistan zusammen. Den Kontakt zu der Entwicklerin hat er übers Internet hergestellt – ein reales Treffen hat es nie gegeben. Und das Konzept für die Beleuchtung seiner Werkhalle hat er von einem Lichtdesigner aus Sri Lanka umsetzen lassen. Aus Sicht von Geibert bietet gerade die Digitalisierung erhebliche Potentiale für die Reduktion von Treibhausgasen in wirtschaftlichen, sozialen und kommunikativen Prozessen. Der 24-Jährige musste in kein Auto, in keinen Flieger steigen, um den Deal abzuschließen. Allein Hin- und Rückflug nach Pakistan hätten eine CO2-Menge von rund zwei Tonnen verursacht.

Ökologisch nachhaltig wirtschaften: Taxonomie Verordnung

Auf dem Weg zum klimaneutralen Kontinent in eine moderne, ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Wirtschaft, ist die EU-Taxonomie entwickelt worden. Darin wird festgelegt, welche wirtschaftlichen Aktivitäten ökologisch nachhaltig sind. Ziele sind, den Klimawandel einzudämmen und Unternehmen daran anzupassen. So sollen Ressourcen wie Wasser nachhaltig genutzt, Unternehmen in die Kreislaufwirtschaft überführt, Umweltverschmutzung vermieden und die Biodiversität in den Ökosystemen geschützt und wiederhergestellt werden. Leistet ein Unternehmen mindestens einen Beitrag zu den sechs Klima- bzw. Umweltschutzzielen und verstößt nicht gegen andere, dann kann – so heißt es im EU-Regelwerk – die Wirtschaftstätigkeit als ökologisch nachhaltig eingestuft werden. 

Nachhaltigkeit als besondere Verantwortung von Unternehmen

Karsten Kurth arbeitet in der IHK Erfurt als Experte für Energie und Klima. Seiner Meinung nach spielt Nachhaltigkeit für Unternehmen eine zunehmend größere Rolle, sei es aus eigener Motivation heraus oder bestimmt durch Kundenanforderungen. Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Rothmund Insights wünschen sich fast 90 Prozent aller Verbraucher in Deutschland, dass Unternehmen in Zukunft nachhaltiger und umweltgerechter wirtschaften. Zugleich wächst die Zahl der Konsumenten, die bereit sind, für ein nachhaltigeres Leben auf ein Stück Komfort zu verzichten und für nachhaltige Produkte auch etwas mehr auszugeben. Die IHK Erfurt unterstützt Firmen dabei, Nachhaltigkeit und Klimaschutz in die eigene unternehmerische Strategie oder Philosophie aufzunehmen. Einen Nachhaltigkeitsbericht müssen bislang nur größere Unternehmen erstellen. Ab 2026 sind dann auch kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen in der Pflicht, eine eigene CO2-Bilanz zu erstellen und damit den eigenen Fußabdruck zu berechnen.

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit beginnt im Kopf, doch es reicht weit über die gängigen Themen wie Energieeffizienz, Photovoltaik und Elektroautos hinaus. Es durchdringt sämtliche Aspekte unternehmerischen Handelns – von Investitionen über die Lieferkette bis hin zur Entwicklung neuer und Stärkung der etablierten Geschäftsmodelle. Unternehmen, die sich frühzeitig diesem Engagement verschreiben und Nachhaltigkeit als essenziellen Bestandteil ihrer Unternehmensphilosophie etablieren, bahnen sich einen wirtschaftlichen Vorsprung für die Zukunft.

– Karsten Kurth, Ansprechpartner für Energie und Klima bei der IHK Erfurt

Autark arbeiten mit Photovoltaik

Gleich neben der neuen Produktionshalle im Gewerbegebiet „Kromsdorfer Straße“ hat Dorian Geibert auch in Photovoltaik investiert. Die PV-Anlage auf circa 600 Quadratmetern erzeugt als theoretisch größtmögliche Leistung 130 kW. Die gleiche Leistung plant der Unternehmer in Zukunft auch vom Dach der Halle abzurufen. Wenn diese gewaltige Energiemenge nicht gerade direkt vor Ort verbraucht wird, soll sie in einem 85 kWh-Speicher zwischengespeichert werden. Wenn möglich, will der 24-Jährige damit autark arbeiten. Und Geibert hat es auch schon mal durchgerechnet: Der Batteriespeicher kann mit einer Leistung von 60 kW be- und entladen werden. Dadurch können die anfallenden kostenintensiven Lastspitzen reduziert werden. In den Sommermonaten ist die PV-Anlage theoretisch in der Lage, den Speicher innerhalb von einer halben Stunde wieder zu füllen – im Winter funktioniert das natürlich nur bedingt. Strom, der nicht direkt im Produktionsprozess benötigt wird, will der Jung-Unternehmer als Wärme zwischenspeichern. Die Kapazität des Speichers entspricht der eines Mittelklasse-Elektrofahrzeuges. Theoretisch könnte sich der Jungunternehmer dafür auch ein E-Auto anschaffen. Allerdings sind nur wenige bislang in der Lage, bidirektional zu laden. Beim bidirektionalen Laden kann laut ADAC Strom in zwei Richtungen fließen: Zunächst aus dem Netz in einen Speicher – und anschließend wieder aus ihm heraus, zurück ins Netz. 

Thüringer Treibhausgase in Zahlen:

Nach aktuellen Berechnungen der Denkfabrik Agora sind die deutschen Treibhausgasemissionen im Jahr 2023 um 73 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr auf 673 Millionen Tonnen gesunken. Ein Großteil der Effekte geht dabei kurzfristig auf Produktionsrückgänge zurück. Nur etwa 15 Prozent ergeben sich aus dem Ausbau von Ökostrom, energieeffiziente Umbauten und klimafreundliche Brennstoffe. In Thüringen gehört der Wirtschaftssektor mit circa 15 Millionen Tonnen Treibhausgasen und einem Anteil von 60 Prozent am Gesamtausstoß zu den größten Emittenten im Freistaat.

Nachhaltigkeit allein ist (zu) teuer

Dorian Geibert will bei seinem nachhaltigen Unternehmensaufbau bleiben. Dennoch kann und will er nach eigener Aussage nicht ausschließlich auf Nachhaltigkeit setzen – das Verhältnis von Investitionen in erneuerbare Energien zum Verhältnis der Investitionen in den eigentlichen Produktionskern des Unternehmens sei nicht zu rechtfertigen.

Schlussendlich muss ich sehen, dass ich auf einen grünen Zweig komme. Auch ich muss zusehen, dass ich damit Geld verdiene. Es bringt nichts, wenn man das nachhaltigste Unternehmen ist, aber am Ende in die Insolvenz gerät, weil sich das alles nicht mehr rechnet. Dann hat man auch nichts für die Umwelt getan. Man muss einen vernünftigen Mittelweg finden, so dass das alles noch ökonomisch sinnvoll gestaltet ist.

– Dorian Geibert, Jung-Unternehmer aus Weimar

Bis sein kleines Unternehmen den ersten Ertrag abwirft, arbeitet der 24-Jährige weiterhin als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena. Läuft es beim ihm, will er zeitnah zwei Mitarbeiter einstellen – eine Auflage der Thüringer Aufbaubank.

Text: Michael Hesse

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Karsten Kurth

Tel: 0361-3484310

E-Mail: karsten.kurth@erfurt.ihk.de

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