Breit aufgestellt in die Zukunft

©arifoto/Michael Reichel/Jonas Reinhardt und Ralf Urban von der Nissha-Schuster Kunststofftechnik GmbH nehmen den Zukunftspreis 2023 entgegen
Warum sollte ich diesen Artikel lesen?
  • Erfahren Sie mehr über den Gewinner des Zukunftspreises 2023: Die Nissha Kunststofftechnik.
  • Womit hat das Unternehmen den Preis gewonnen und warum ist das Produkt für eine erfolgreiche und nachhaltige Zukunft so vielversprechend?
  • Lesen Sie auch, wie das Unternehmen in seine Zukunft investiert und welche Pläne es verfolgt.

Die Nissha Kunststofftechnik in Waltershausen produziert neben Tastern für Fahrzeuge auch Papierverpackungen in einem innovativen Spritzgussverfahren. Damit ist das Unternehmen mit seinen rund 300 Mitarbeitenden einer der Hidden Champions in Thüringen.

Sie sind dünn, lichtdurchlässig und ziemlich elegant: feine Kunststoff-Taster für Klimaanlage, Warnblinker und Autoradio. Sie alle liegen sauber aufgereiht in einer Glasvitrine im Eingangsbereich zum Waltershäuser Werk der Nissha Advanced Technologies Europe GmbH. Hier, direkt an der Autobahn A4, hat der Hersteller von Kunststoffbearbeitung, ehemals Schuster Kunststofftechnik, seinen deutschen Sitz. Und von hier aus wird immer wieder die Zukunft entwickelt.

Innovative Kunststofftechnologien im Fokus: Nissha Advanced Technologies präsentiert feine Taster für Fahrzeuge

„Wir erfinden uns und unsere Produkte quasi immer wieder neu“, sagt Roland Beil. Der Erfurter ist Geschäftsführer des Unternehmens und in dieser Funktion seit einigen Jahren für die breite Aufstellung der Nissha Advanced Technologies Europe zuständig. „Wir haben uns im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt und an die Gegebenheiten des Marktes angepasst“, sagt Roland Beil. So diversifizierte der Hidden Champion aus Thüringen vom großen Schwerpunkt Automotive in den Bereich der Herstellung und Anpassung von Verpackungen. Für das Unternehmen eine gute Entscheidung, wie sich immer mehr zeigt. Denn während automobile Märkte derzeit schwächeln, kann Nissha auf einen stabilen Absatz im Verpackungsbereich schauen.

Wenngleich immer mehr physische Taster durch digitale Touchpads ersetzt werden, so können die Mitarbeitenden aus ihrer Kunststofferfahrung schöpfen. Folien der „In-Mould-Labeling“-Technik (IML) können für die immer stärker nachgefragten Sensoren der modernen Fahrzeuge genutzt werden und so verschieben sich Angebot und Nachfrage lediglich ein wenig.

Die Zukunft der Automobilindustrie: Anpassung an den Wandel durch Touchpads und Sensoren

Hinzu käme, berichtet Roland Beil, der Ansatz, auch das Exterieur von Autos mit den entsprechenden Kunststoffen zu versehen. So hat sich das Unternehmen beispielsweise auf die Folienentwicklung mit funktionalen Eigenschaften für Kühlergrills und Frontends der neuesten Fahrzeuggeneration spezialisiert. Der Gedanke dahinter ist einfach: Teilautomatisiertes Fahren benötigt Abstands- und Geschwindigkeitssensoren, die in diesem Teil des Autos stecken. Wenn diese im Winter zufrieren, können sie nicht genutzt werden und bedürfen einer Beheizung – durch Drähte in den Kunststofffolien.

Doch wenngleich alles das schon recht zukunftsträchtig klingt und von einer guten Vorbereitung des Unternehmens auf die kommenden Jahre kündet, so liegt die eigentliche Sensation eine Vitrine weiter. Vollkommen unscheinbar kommen die kleinen Papierverpackungen daher. In ihrem weißen Creme-Ton sehen sie sauber und hochwertig aus und wirken auf den ersten Blick gar nicht so stabil, wie sie eigentlich sind. Geschäftsführer Beil ist sichtlich stolz auf das, was hier hinter Glas liegt und nur zwei Türen weiter schon seriell gefertigt wird. Dafür hat die Nissha Advanced Technologies Europe GmbH schließlich auch den Zukunftspreis 2023 der Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer (HWK) in Erfurt bekommen.

Wir sind auf einem guten Weg in die Zukunft und das ist wichtig, auch für unser Team.

– Roland Beil, Geschäftsführer der Nissha Kunststofftechnik in Waltershausen

Umweltfreundliche Lösungen: Bahnbrechende Papierverpackungen

„Im Wesentlichen ist das hier eine Zusammensetzung aus Stärke, Zellstoff und Wasser, ganz ähnlich einem Eierkarton“, erklärt Beil, während er eine der Papierverpackungen in der Hand hält. Die Besonderheit dabei sei, berichtet der Geschäftsführer, dass diese Verpackungen inzwischen vollkommen mit einem Spritzgussverfahren hergestellt werden können. „Das ist einzigartig und ermöglicht nicht nur eine individuelle Anpassung an die Wünsche des Kunden, sondern auch eine Fertigung großer Stückzahlen hochwertiger Materialien.“ Im Moment sei es insbesondere die Pharmaindustrie, die auf die Entwicklung aus dem Hause Nissha zurückgreife, um beispielsweise Pen-Spritzen sicher und zugleich ansprechend zu verpacken. „Eine solche Spritze muss in der Verpackung aus kleineren Höhen fallen können, ohne dass sie kaputtgeht. Das ermöglichen unsere Produkte“, sagt Roland Beil und lässt kurz eine der Verpackungen aus der Hand gleiten, wobei er breit grinst.

Künftig seien es neben der Pharmabranche vornehmlich Anbieter von Kosmetika, die Nissha mit seinem zukunftsträchtigen Produkt unterstützen will. Wer teure Kosmetika kaufe, der solle diese auch ansprechend und vor allem nachhaltig verpackt bekommen. Der Ansatz hinter dem Verfahren käme, sagt Roland Beil, aus dem Nissha-Heimatland Japan. Schon seit Tausenden Jahren beschäftigen sich die Menschen in dem Land mit der Herstellung und Weiterentwicklung von Papieren. Dass die Herstellung der Verpackungen nun in Deutschland erfolgt, sei auch ein Privileg, sagt Roland Beil, der auf den großen europäischen Absatzmarkt dafür verweist.

Große Absatzmärkte, dessen ist man sich bei Nissha bewusst, sind einem stetigen Wandel unterlegen. Genau deshalb habe sich das Thüringer Unternehmen auch so breit aufgestellt und mit seinen etwa 300 Mitarbeitenden für die Zukunft gewappnet, so der Geschäftsführer: Die stetige Investition in neue Technik, etwa in bis zu 15 neue Papierverpackungsanlagen, aber auch in den Standort selbst ist fester Bestandteil des Unternehmenskonzepts. Derzeit wird in direkter Nachbarschaft des bestehenden Werks eine neue Produktionshalle gebaut. Investitionsvolumen: 25 Millionen Euro. Und erst im April 2023 wurde eine angepasste Halle für rund drei Millionen Euro eröffnet.

Text: Paul-Philipp Braun

Über den Zukunftspreis von IHK und HWK Erfurt:

Der Zukunftspreis würdigt Unternehmen, die wegweisende Lösungen für aktuelle Probleme gefunden oder innovative Geschäftsmodelle entwickelt haben. Prämiert werden je ein Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammer Erfurt sowie ein Handwerksbetrieb der Handwerkskammer Erfurt. Der Preis ist mit jeweils 3.000 Euro dotiert. Der Zukunftspreis wird in Kooperation mit der Thüringer Allgemeinen und der Thüringer Aufbaubank veranstaltet.

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Tel: 0361-3484282

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